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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-10-01 · Heft 9 (1.10.1891) · p. Seite 197

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 9 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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cW'y1> ®&*yr ^"^K. '4'V?>V4£ffit% - 19? - Weine Ansichten über UMantropre. Von Baron Moritz v. Hirsch Mit regein Interesse habe ich die Reihe von Artikeln verfolgt, welche in der wohlbekannten „North American Review“ über die Verpflichtungen des Reichthums erschienen sind, und, obwohl mehr ein Mann der That als der Worte, bin ich dennoch gerne bereit, soweit es durchführbar ist, die an mich gerichtete Frage: „welche Motive mich zu meinem philantropischen Werke veranlaßt haben", zu beantworten. Man darf indessen nicht von mir erwarten, daß ich mich in eine theoretische Discussion einlasse, wie dies in ähnlicher Weife von den gelehrten Persönlichkeiten geschah, welche in diesen Blättern ein philosophisches System bezüglich der Pflichten der Besitzer von Reichthümern entwickelt haben; aber man gestatte nur, in wenigen Worten die praktische Methode auseinanderzusetzen, auf welche ich die Ausführung meiner Ideen zu begründen entschlossen bin. Meines Erachtens kann darüber kein Zweifel obwalten, daß der Besitz eines großen Vermögens dem Eigenthümer Pflichten anferlegt, und meiner innersten Ueberzengung entspricht es, daß ich mich blos als zeitweiligen Verwalter des von mir erworbenen Vermögens zu betrachten habe und daß ich es für meine Pflicht halte durch Linderung des Elends der vom Schicksale hart Getroffenen in meiner Weise beizntragen. Indem ich in solcher Weise wirksam bin bekämpfe ich die althergebrachte Art der Almosenvertheilnng, die nur neue Bettler schafft, ans das Entschiedenste, und ich betrachte als die Hauptaufgabe der Wohlthätigkeit, aus Individuen, die sonst der Bettelei verfallen müßten, erwerbsfähige Menschen und damit nützliche Mitglieder der Gesellschaft heranzubilden. Die Philantropie im eigentlichen Sinne hat zweifelsohne einen höheren Zweck und vermag ihr bestes Arbeitsfeld in der Gründung von Freibibliotheken, in der Errichtung von Gärten, Kirchen re. zu finden. Dies ist die Ansicht des Herrn Carnegie, welche derselbe zu wiederholten Malen practisch demonstrirt hat. Gewiß sind dies ideale Ziele, welche darauf hinauslaufeu, allgemeine Glückseligkeit zu verbreiten, und glücklich sind diejenigen, welche in Ländern leben, wo die allernothwendigsten Bedürfnisse des Lebens so reichlich befriedigt werden, daß es, ich möchte fast behaupten, klar am Tage liegt, daß die Verpflichtungen, welche der Reichthum auferlegt, und die Zwecke der Philanthropie dadurch erfüllt werden, daß mau die Bedürfnisse ästhetischer Genüsse zu befriedigen sucht. Für mich hat das Geschick ein besonderes Feld philanthropischer Wirksamkeit ausersehen. Wenngleich ich bei Linderung menschlicher Leiden niemals frage, ob der Nothschrei von Angehörigen meines Glaubens komme oder nicht, was ist dennoch natürlicher, als daß ich meine höchste Aufgabe darin erblicke, den durch tausendjährigen Druck verkommenen, in Elend darbenden Anhängern des Judenthums die Möglichkeit einer physischen und moralischen Wiedergeburt zu bieten, daß ich mich bemühe, sie zu befreien, sie zu arbeitsamen Bürgern heranznbilden und dadurch der Menschheit viele neue und schätzenswerthe Kräfte zuzuführen. Jedes Blatt in der Geschichte der Inden lehrt uns, daß ich mit diesem Gedanken keine Utopie verfolge, und ich hoffe zuversichtlich daß dieses Ziel erreicht werden kann. Denn es kommt nicht in Betracht, wie tief die Anhänger meines Glaubens auch gesunken sein mögen, oder wie herabgewürdigt sie zu sein scheinen; es bedarf nur eines einzigen Athemzngs der Freiheit, um sie zu befähigen, dem Lande

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