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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-10-01 · Heft 9 (1.10.1891) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 9 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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Zu welchem sie gehören, Ehre und treibenden Sporn zuzufiihren. Das beweisen in gleichenr Maße Mittelalter und Neuzeit. Ich brauche keine Beispiele anzuführen da die berühmten Männer, die sich ans der jüdischen Race hervorgethan haben, bekannt genug sind, und da es nicht der Zweck dieser Zeilen sein kann, das Lob der Juden zu singen, oder die hohen geistigen Eigenschaften ihres Stammes zu preisen. Ich will mich daher an die Beantwortung der Frage halten, die mir vorgelegt wurde: „welche Resultate sollen meine philanthrophischen Arbeiten haben?" Was ich zu vollführen iviinsche, >vas nach manchen schweren Unglücksfällen das Ziel meines Lebens geworden ist und wofür ich bereit bin, mit meinem Vermögen und mit meinen intellectnellen Kräften einzustehen, ist, einem Theile meiner verfolgten, aus ihren Heimatsstätten vertriebenen Glaubensgenossen die Möglichkeit zu gebe», eine neue Existenz, in erster Linie als Ackerbauer, ferner auch als Handwerker, in solchen Ländern zu finden, in denen die Gesetze und die religiöse Toleranz ihnen gestatten, den Kampf ums Dasein als edle und verantwortliche Unterthanen einer humanen Staatsregierung zu führen. Es ist zur legendären Maxime und zu einem der typischen Vorwürfe, die man gegen die Juden erhebt, geworden, daß sie weder zum Ackerbau, noch zum Handwerk Neigung haben. Das ist ein Jrrthuni, den nicht allein moderne Beispiele, sondern auch die Geschichte ividerlegen. Die Israeliten in der Zeit vor Christus waren Ackerbauer pur exellence, während der Handel, der, nach der Beschäftigung der Juden von heute zu schließen, das Erbtheil Israels sein soll, damals ausschließlich in den Händen der Phönizier, Griechen und Mittelmeervölker lag. Die Inden, so lange sie politisch selbstständig waren, bestellten, wie gesagt, ihre Felder, trieben Viezncht und ivaren Handwerker. Die Vorliebe für die Arbeit auf dem Felde und in der Werkstatt existirte also, und meine eigenen Beobachtungen, sowie diejenigen Anderer haben bewiesen, daß es vollkommen möglich ist, in der Race diese Fähigkeit und Liebe für die Agricnltnr wieder zu erwecken und zu neuer Bethätigung zu bringen. Auf seiner eigenen Scholle wird also der arme Jude, den bisher der Haß wie einen Geächteten verfolgte, Frieden und Unabhängigkeit, Liebe für den Boden, den er bearbeitet, und für die Freiheit erlangen und er wird ei» patriotischer Bürger seiner neuen Heimat werden. Von diesen Ueberzengnngen geleitet, lag der Weg für mein philantropisches Wirken klar vorgezeichnet vor mir. Durch Errichtung von Stiftungen im Orient und in Galizien wünschte ich den in der Cultur zurückgebliebenen Juden dieser Länder, ohne sie von dem Lande, tvelches sie bewohnen, abzulenken, die Gelegenheit zu bieten, tiichtige Ackerbauer und Handwerker zu werden, wozu die Schaffung von Ackerbail- und Handwerkerschulen das Mittel bildet. Es muß jedoch eine andere Methode zur Unterstützung jener Juden adoptirt werden, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und gezivungen sind, jenseits des Oceans neue Wohnstätten zu suchen. Und deßhalb ist es gegenwärtig inein größter Wunsch, ein Werk von weit bedeutenderen Diinensiouen und ganz anderem Charakter als die bisherigen zu vollführen, ein Ziel, an ivelchem am ehesten die erwähnten Ergebnisse erreicht werden können. Es handelt sich darum, den ans ihrer Heimat verdrängten russischen Juden zu neuen Heimstätten zu verhelfen, wo sie ihre Kräfte frei entfalten, sich die Eigenschaften ihrer Uhrahnen ivieder angeivöhnen und schließlich zu nützlichen Insassen freier, allen Bewohnern gleiche Rechte sichernder Länder werden könnten. Bei diesem Plane dachte ich natürlich auch an die Vereinigten Staaten Nord-

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