Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 9 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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195 1851 nach Lemberg, er predigte einigemale daselbst während der Osterfeiertage jenes Jahres, und eroberte sich die Herzen wie im Sturme. Einstimmig wurde er zum Prediger der aufstrebenden jüdischen Tempelgemeinde in Lemberg erwählt. Doch nach einigen Wochen fand sich Adler bewogen nach Lemberg zu schreiben, dass ihn Familienrücksichten — seine greise Matter lebte damals noch, und sie lebte in seinem Hanse — bestimmten, ans seinen! Posten in Alzei zu verbleiben. Wer weiß, was Adler ans dem vorgeschobenen Posten int Osten für die Reforinirung des jüdischen Lebens und Denkens in den galizischen und a»grenzenden Ländern hätte leisten können! Gerade von ihm hätte man ganz sicher hochbedeutsame Resultate seines Wirkens erwarte» dürfen, weil er kein hastig voraneilender Stürmer gewesen und er sich um so rascher das Vertrauen der Leute zu gewinnen wußte, und er trotz alledem, in seine» Theorien und Ueberzengungen, wie er daraus nie ein Hehl machte, zu den Freiesten gezählt werden mußte. Im Herbste 1856 war l>r. 8. Merzbacher, der Rabbiner der Emanuelgemeinde in New Jork, vom Tode ereilt worden. An die genannte große Gemeinde, welche damals schon als die erste jüdische Gemeinde in den Ver. Staaten gegolten hat, trat nun die Aufgabe heran, einen geistigen Leiter sich zu erwählen, und auf Einhorn's Rath berief man I)r. Adler von Alzei. Zu Ostern 1857 trat er denn auch sei» Amt an. Bereits wurde von dem Wirken Adler's in Deutschland oben berichtet. Doch müssen wir es, ehe wir weiter gehen, nicht vergessen, zu erwähnen, daß Adler auch an den drei deutschen Rabbinerversainmlungen in den vierziger Jahren — 1844 in Brannschweig, 1845 in Frankfurt, 1846 in Breslau — mit ganzer Seele Antheil nani, daß er an den Debatten in denselben sich lebhaft betheiligte und daß er den freien, fördernden und äußerst anregenden Beschlüssen derselben seine Unterstützung lieh und für dieselben sein Votum abgab. Er stand auf der Seite, auf welcher die hervorragendsten jiidischen Reformer jener Zeit standen. Er stand neben Geiger, Einhorn, Holdheim, Wechsler und den Andern. In New Jork fand er natürlich auch liebe und dankbare Anerkennung. Keine Sensationsmacherei, keine Reklamemacherei, kein schmetterndes Trompetenblasen und lärurendes Trompetenschlagen in jüdischen und andern Zeitungen war nöthig, uni seinen Ruhm zu begründen. Solche Methoden waren ihm auch in der Seele zuwider. Die Gründlichkeit seiner theologischen und allgemeinen Bildung, die Reife seines Urtheils, die edle Tendenz seines Strebens und Wirkens im Gotteshaus, in der Schule und auf dem Gebiet der praktischen Wohlthätigkeit verschafften ihm allein schon hohe und verdiente Anerkennung. Im Jahre 1869 beriefen er und sein ihm im Tode vorangegangener Freund und Kollege Einhorn eine Konferenz reformatorisch gesinnter Rabbiner, und diese fand auch im November jenes Jahres in Philadelphia statt. Sie ist, obwohl sie in Folge beklagenswerther Umstände ohne Nachfolger blieb, nicht spurlos am amerikanischen Jndenthum vorübergegangen. Im Jahre 1874 trat Adler in den Ruhestand. In einer Weise, die den Mann wie die Genieinde, in der er 17 Jahre lang thätig gewesen, sehr ehrte, wurde er pensionirt. Er verlebte nun im Ganzen einen ruhigen, glücklichen Lebensabend, und blos die zwei letzten Jahre seines Lebens waren durch schwere Krankheit getrübt. Am 9. Jnni dieses Jahres schied er von hinnen. Dr. Jsaac Adler, der Arzt in New Uork, Professor Felix Adler, der Begründer und das geistige Haupt der „Societies for Ethioal Culture“ (der Gesellschaften für Pflege und 17* .fei. 1 ......