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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-09-01 · Heft 8 (1.9.1891) · p. Seite 189

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 8 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 189 (sequence 21)
Language
German
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189 denn also Pflegte Hillel zu sagen (1,13): Wer sich der Krone des Gesetzesstudiums zu eigenem Vortheil bedient, schwindet dahin". Siehe! (daraus) lernst du, daß Jeder, welcher aus der Gelehrsamkeit Vortheil zieht, sein Leben von der Welt nimmt".— Dieser, ältere Spruchworte Hillels (2,4b) und Juda's ben Tabbai (1,8) enthaltende Satz gehört wohl der Zeit an, als in Jabne die Bemühungen R. Gamliel's II, die Aussprüche und Lehren der hillelschen Schule gegenüber denjenigen der schammaitischen zur einzigen Norm zu erheben, von Erfolg gegekrvnt wurden. Trotz dieses Erfolges mochte es doch noch Einzelne gebe», welche sich dieser Norm im Lehrhause nicht fügen wollten itiiö sich darin von der Gesammtheit trennten, Andere wieder, welche aus Eitelkeit oder aus anderen niedrigen Interessen im Lehrhanse erschienen und Oppositions- und Nörgelei- Gelüste zeigten. Hatte doch deshalb Gamliel die Einrichtungen getroffen oder vielmehr erneuert (s. oben 1,12), daß ein Thürhüter au dein Lehrhause „Posten" stand, um Unberufenen, Unlauteren und Unznverläßigen den Einlaß zu verweigern! Und gegen das Wesen und Verhalten solcher Studiengenossen richtet sich auch das Wort des R. Zadock (Grätz, a. a. O., 4,35). — 6. „Rabbi Jose sagt: Jeder, welcher die Thora ehrt, wird in eigener Person von den Menschen geehrt; aber wer die Thora entweiht, wird in eigener Person von den Menschen entweiht (verschmäht)." — R. Jose ben Chalastha war als Verehrer der Thora auch von den Menschen geehrt, obgleich er das Handwerk der Gerberei betrieb, welches dem Körper nichts weniger als Schönheit verleiht. Und dieser eigenen Erfahrung, daß das Wohlgefallen der Menschen von nichts Aeußerlichem, sondern lediglich von der Verehrung der Thora abhänge und abhängen solle gibt er in seinem Spruche Ausdruck (vgl. I. Brüll, Einl. in d. Mischna, 1,182). — 7. Rabbi Jsmael, sein Sohn sagt: Wer sich vom Rechtsprechen zurückzieht, wirft von sich Feindschaft, Raub und Meineid; und wer in der Entscheidung hochmüthig ist, der ist ein Thor, ein Frevler und Hochmüthiger" — Dieser, wie auch der folgende Spruch enthält beherzigenswerthe Lehren des als Richter fungirenden R. Jsmael berabbi Josef ben Chalasta, der den ersten Platz im Gerichtskollegium „Rabbis" eiunahm und sich in hervorragenden: Maaße der Unparteilichkeit befleißigte (jer. Kilajim 9,3 Mackoth 24a. Weiß, a. a. €>., 2,186). — 8. „Er pflegte zu sagen: Sprich nicht allein Recht, denn allein spricht nur der Einig-Einzige Recht; und sage nicht (zu deinen Kollegen): nehmet meine Ansicht an! denn ihnen steht es frei, aber nicht dir." — 9. „Rabbi Jonathan sagt: Wer die Thora erfüllt während er in Dürftigkeit lebt, erfüllt sie schließlich im Reichtume; aber wer die Thora vereitelt, während er im Reichtume ist, wird sie schließlich in Dürftigkeit vereiteln". — Wenn auch dieser Tannaite sonst in der Mischna nicht weiter bekannt ist, so scheint er doch der Zeit R. Aikba's anzugehören, und sein Spruch auf diesen Lehrer und seinen Gegner hinzuweise», sowie gegen letzeren eine Warnung zu enthalten. Denn während R. Akiba sich dem Gesetzesstudium und seiner Ausübung zu einer Zeit gewidmet hatte, da er in sehr großer Noth lebte, aber dann, besonders (Nedar. 50) durch seinen Schwiegervater Kalba Sebua, der ihm seine unermeßlichen Schütze hinterließ zu Reichtümeru gelangte und dabei wie früher dem Gesetze treu anhing, hat Elischa ben Abuja (s. oben zu 3,11. 4,3) bei seinem Reichtume die Gesetzesübung aufgegeben (vgl. Z. Frankel, Hodeg. i. M., S. 147. A. 7. Weiss. a. a. O., II, 107. 140). - (Fortsetzung folgt).

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