Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 8 (1.9.1891)
- Date
- 1891-09-01
- Page
- Seite 188 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969782-2969790--3300-2973202- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Lod 1× ep/1045074
- Lubliniec 1× ep/1048003
OCR text
188 Maßregel ist zurückgenommen worden. Ist die Ausführung definitiv aufgehoben oder nur auf einige Monate verlegt worden? Man begreift die Angst der Unglücklichen, welche sich hundertmal des Tages diese Frage vorlegen, es handelt sich für sie um Leben oder Tod! Würde der Zar diese Thatsachen kennen, sie würden gewiß einen gerechten Zorn bei ihm erregen. Aber nicht gegen die Juden, welche doppelte Steuern zahlen, in der Armee ohne Aussicht auf Belohnung dienen und nie die geringste Auflehnung versucht haben. Dann würde man sehen, was ein rechtschaffener Mensch thun kann, wenn er noch dazu selbstherrschender Zar aller Reußen ist. Ein Wort, ein einziger Ausspruch von ihm würde genügen, dasjenige, was man die Judensrage nennt, zu lösen. „Die Juden, welche dieselben Pflichten haben, wie die anderen nichtchristlichen Unterthanen des Reiches, sollen von jetzt an dieselben Rechte besitzen, wie die Muselmänner." An dem Tage, wo dieses Wort ausgesprochen sein wird, würde es in der Welt einen großen Mann mehr geben und eine große Ungerechtigkeit weniger! Dann würde das Leben an 3,000,000 Menschen durch den Zaren zurückgegeben sein! Me Sprüche der Mater und ihre Historischen Meziehungen von Rabbiner Dr. S. Friedman», in Lublinitz.*) 5a.„ Rabbi Jsmael, sein Sohn sagt: Wer da lernt, um zu lehren, dem gibt man die Macht in die Hand zu lernen und zu lehre»; aber wer da lernt, um zu thun, dem gibt man die Macht in die Hand zu lernen und zu lehren, wie zu hüten und zu üben". — In die Zeit der Hadrianischen Verfolgungen gehört der lyddensische Beschluß der Weisen bezüglich ihres Verhaltens den grausamen Edikten gegenüber (s. oben zu 3,2 b.) wonach bestimmt ward, daß man mit Ausnahme der drei Punkte: Götzendienst, Unsittlichkeit und Mord für die Gesetzes Übung das Leben nicht lassen solle, wohl aber für das Gesetzesst u d i u m, das insofern wichtiger sei als jene, als sonst ja die Praxis auch für die Zukunkt, in einer politisch günstigeren Zeit in Frage gestellt wäre (Kidd. 40b Sifra Deut. 11,13. M. Cant. 2,14. Grätz, a. a. O. Note 24). R. Jsmael, welcher wahrscheinlich an jener Beratung zu Lydda theilgenommen, gibt gewissermaßen in seinem obigen Spruche ebenfalls dem Satze „Wichtig ist' das Lernen, denn es führt zur That" Ausdruck, nur betont er noch die besondere Absicht, welche der theoretischen Forschung zu Grunde liegen müsse, damit sie die Praxis zur Folge haben könne. Und nur wer in solcher Absicht forsche, der werde auch wieder die Macht erhalten, in besserer Zeit die Lehre in der Praxis zu bekunden. — 5b. „Rabbi Zadok sagt: Trenne dich nicht von der Gemeinde; mache dich nicht zu einem Sachwalter unter den Richtern, und mache sie (die Gelehrsamkeit) nicht zu einer Krone, damit großzuthun, auch nicht zum Spaten, damit zu graben, *) Siehe Jahrgang IX S. 153.