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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-09-01 · Heft 8 (1.9.1891) · p. Seite 181

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 8 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
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■ : ' ' . ' “ :' ■ ' — 181 - Zeiten zu den Vätern durch die Propheten geredet, in späteren Tagen zu uns geredet hat durch seinen Sohn, den er zum Erben aller Dinge gesetzt hat und der herrschen soll über das Haus Jakob's ewiglich." Der zweite Tag der Konferenz war minder zentralen Gegenständen gewidmet. Es genügt deshalb eine kürzere Berichterstattung. Rabbiner Joseph Stolz sprach in der ersten Sitzung über „die nachbiblische Geschichte Israels" und verweilte besonders bei der Zeit Jesu, um Jesum selbst als ein Kind dieser Zeit, als echten Pharisäer, darzustellen. — Rev. I. M. Caldwell berichtete aus eigener Anschauung von Palästina und wies auf die sich schon jetzt anbahnende Rückkehr der Juden nach ihrem Heimatslande hin. Ein Plan von Jerusalem, welchen Rev. Blackstone erläuterte, deutete an, wie diese Stadt beginne, die verheißungsgemäße Ausdehnung anzunehmen. In der Schlußsitzung entwarf Prof. David E. Marquis (Christ) ein Bild des jüdischen Messiasglaubens, sofern er an den christlichen erinnert. Darauf las Rabbiner Stolz eine von einein ungenannten Juden abgefaßte Schilderung der traurigen Lage der Juden in Rußland. Unter allgemeiner Zustimmung wurde eine Resolution des Inhalts beschloßen, daß jede Vergewaltigung der Juden, jeder Ausschluß derselben von sozialen Vorteilen als „unchristlich und unamerikanisch" zu verurteilen sei, daß die russische Regierung „im Namen Gottes und im Namen der Bruderschaft aller Menschen" zu ersuchen sei, „die Hand der Grausamkeit von diesem ehrwürdigen Volke abzuziehen, welches ihnen wie uns unsre Bibel, unsre Religion und unsre Gotteserkenntnis gegeben hat." Abschließende Worte sprach Professor H. M. Scott. Die Konferenz habe Juden und Christen einander auf sozialem, intellektuellem, ethischem Gebiete nähern sollen. Es sei Zeit, daß die Christen sich den Juden anders zeigten, als es die Väter gethan. „Der Jude hat unsrer Grausamkeit widerstanden, er hat unsre Gewaltthat ertragen, er hat über unser Schwert und Schaffot triumphiert. Die Zeit ist gekommen, ihn mit Liebe zu bekäinpfen, Herz an Herz, Schulter an Schulter zu schließen in eifrigem Trachten nach Gerechtigkeit und Frieden. Das ist eine Waffe, der er nicht widerstehen kan». Die Kohlen brennender Liebe, die wir auf sein Haupt häufen, werden alle Vorurteile in Kopf und Herz verzehren. Ja, die Zeit ist gekommen, die zahlreichen Glaubenssätze in den Vordergrund zu stellen, welche Juden und Christen gemein haben, statt über die wenigen zu streiten, welche sie trennen. Wir schließen uns beide au das Alte Testament an. Wir glauben beide an den Gott Abraham's, Jsaak's und Jakob's. Wir hoffen beide die Unsterblichkeit der Seele, »vir stellen beide für das Diesseits in den Vordergrund ein Leben der Tugend. Die Fuudamentalsätze Kant's, Gott, freier Wille und Unsterblichkeit, halten wir alle in Ehren und suchen sie zu lebendigen Faktoren des menschlichen Lebens zu machen. Der Jude meint eine Erfüllung des alten Testaments im Talmud zu haben, oder in der Religion der Kultur, in süßein Mystizismus, in humaner Ethik. Der Christ hält dafür, daß die beste Erfüllung des alten Testaments im neuen Testament zu finden sei mit seinem Messias, seiner Bergpredigt, seinein ideale» Leben, seiner Versöhnung für die Sünde, seiner heiligen Bruderliebe. Hier ist nicht der Ort für Streit, sondern für brüderlichen Wettkampf."

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