Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 8 (1.9.1891)
- Date
- 1891-09-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Der nach ihm auftretende Rabbiner B. Felsenthal beantwortete die Frage: „Warum nehme» die Israeliten Jesnm nicht als ihren Messias an?" und begab sich damit ans das Gebiet der religiösen Diskussion, allerdings nicht ohne Konferenzen zur Behandlung religiöser Streitfragen als aussichtslos, ja lächerlich zu bezeichnen. Nach seiner Meinung sei es eigentlich Sache des Christentums, seine Wahrheit zu beweisen, nicht Sache der Inden, zu erklären, warum sie Jesnm nicht als den Messias anerkenne», worin sie ja doch mit zahlreichen Christen übereinstimmten. Der Grundgedanke des Christentums sei der der Erlösung der verlorenen Menschheit durch Christi Selbstopfer. Aber weder sei die Menschheit verloren, noch könne ein Opfer Sunde versöhnen. „Die Theorie, das; Sünde nur durch ein Opfer getilgt und ansgelöscht werden könne, ist unjüdisch und hat keine Stütze in meiner Bibel." Außerdem fehle der evangelischen Erzählung von Christo die nötige Beglaubigung. Doch sei zu scheiden zwischen der Lehre Christi und der christlichen Theologie; die erster« habe eine Zukunft — sie sei nur die gereinigte Religion der Pharisäer —, die letztere sei unannehmbar. Die zweite Zusammenknnft wurde von Rabbiner E. G. Hirsch mit einem von häufigen Beifallsäußernngen unterbrochenen Vortrage über „den religiösen Zustand der heutigen Inden und ihre Stellung zum Christentum" eröffnet. Rabbiner Hirsch definierte die religiöse Stellung der orthodoxe», der konservativen und der radikalen Inden. Den letzten gehört er selbst an, und in ihrem Rainen bekennt er: „Der Mensch im Dienste Gottes und im Dienste der Humanität — das ist der Inbegriff und die Vorschrift der Religion, die wir modernes oder radikales Judentum nennen . . . Wir sind Glieder der Nation, >vo unsre Wiege stand, oder welcher wir uns aus freier Wahl angeschlossen haben. Meine Nationalität ist die amerikanische. Politisch leiste ich keiner anderen Flagge Gefolgschaft als dem Banner der Freiheit." Rabbiner Hirsch leugnet, daß das Judentum dem Christentum feindlich gegenüberstehe. „Mit dem Christentum Jesu haben wir wir vieles Gemeinsame, aber das, was als das Christentum St. Pauli bekannt ist, begreifen wir nicht und können es nicht begreifen. Wir sind indes anch dem Christentum von paulinischer Art nicht feindlich gesinnt, aber wir verstehen es einfach nicht und werden es nie verstehen." Dagegen ist „Jesus im Neuen Testament abgebildet als ein Jude von den Inden, voll von jüdischem Geiste; und wenn je ein guter Jude gelebt hat, ist es der, dessen Bild im Neuen Testament gezeichnet wird." Rev. John H. Narrows hatte als Thema „Israel als Beweis der Wahrheit der christlichen Religion", redete indes mehr von der Erhaltung Israels als eines besonderen Volkes, lvie es der Verheißung entspricht, und schloß den ersten Tag der Konferenz mit dem hoffnnngsfreudigen Bekenntnis: „Judentum und Christentum sollen noch eins werden, nicht, glaube ich, durch ein Schema eines konsequenten Rationalismus, welcher beide zu bloßen Gesellschaften zum Zweck ethischer Kultur herabwürdigen und durch Auflösung des Supernaturalen beide ihrer religiösen Macht berauben würde, sondern durch die Annahme der Wahrheit, wie sie im alten und im neuen Testament geschrieben steht, daß Gott die Welt so geliebt hat, daß er zu ihrem Besten ins Mittel trat, daß er, der einst durch Wunder schöpferischer Macht die Kluft zwischen dem Nichtexistierenden und dein Existierenden überbrückt hat, durch Wunder erlösender Liebe und Macht seinen Willen den Mensche» kund that, indem er seinem Worte Kraft und überwindende Holdseligkeit seinem Evangelium verlieh; daß er, der in vergangenen