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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-09-01 · Heft 8 (1.9.1891) · p. Seite 179

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 8 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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IK ■, — 179 — Aus einem Merichle von G. H. Dalman in „Nathanael" über eine Konferenz von Israeliten und Christen in Chicago am 24. nnd 25. November 1890. Seit den Disputationen des Mittelalters sind Juden und Christen zu einem öffentlichen Gedankenaustausch nicht mehr einander gegenüber getreten. Es ist darum ein merkwürdiges Zeichen der Zeit, daß es im vorigen Spätherbst einem für Israels Wohl wirkenden Amerikaner, William E. Blackstone gelungen ist, unter zahlreicher Beteiligung eines jüdischen nnd christlichen Pnbliknins eine jüdisch-christliche Konferenz zusammenzubringen, in welcher christliche Geistliche und Rabbiner abwechselnd als Redner auftraten. Ehemals war es der zwingende Befehl weltlicher oder geistlicher Machthaber, welcher jüdische Gelehrte nötigte ihre Religion gegen christliche Angriffe in öffentlicher Versammlung zu verteidigen, und die Freiheit der Aussprache war nur allzu sehr beschränkt durch die äußere Stellung der jüdischen Defensoren, denen ein zu freies Wort den Kopf kosten konnte. Jetzt folgten angesehene Rabbiner der freundlichen Aufforderung eines Privatmannes freiwillig, und gegenseitige Achtung und Schonung war die Grundlage alles Redens und Handelns. Freilich war auch nicht Diskussion der zwischen Synagoge und Kirche obschwebenden Fragen Zweck der Kofereuz. Nicht das beide Unterscheidende, sondern das ihnen Gemeinsame sollte betont werden. Bessere gegenseitige Kenntnis sollte zu künftigem besserem Einverständnis führen. Eine christliche Kirche war der Ort der Zusammenkunft. Aber Lieder ohne spezifisch christlichen Inhalt wurden gesungen; alttestamentliche Psalmen bildeten die Schriftlektionen, mit welchen die „Sitzungen" eingeleitet wurden; Pastoren nnd Rabbiner sprachen abwechselnd Gebet und Benediktion. In der ersten Znsaminenkuuft begann Rev. E P. Goodwin seinen Vortrag über „das Verhalten der Nationen und der christlichen Völker gegenüber den Juden" niit dem Bekenntnis: „Ich spreche als ein Jude. Ich glaube an Abraham, Isaak und Jakob; ich glaube an Mose und die Propheten.-Ich glaube, daß Gott die Welt regiert, daß alle Völker wie nichts vor ihm sind, daß er in allen Dingen nach dem Rat seines Willens wirkt und deshalb das, was die Menschen Geschichte nennen, wesentlich nur der Bericht über die Ausführung seiner Pläne ist. Ich glaube ferner, daß wir in der Bibel einen göttlichen, autoritativen, unfehlbaren Bericht von den Thaten des mächtigen Herrschers der Völker in der Vergangenheit und die untrügliche Offenbarung seiner Entschlüsse für die Zukunft besitzen, bis seine Pläne ans Ziel gebracht sein werden und sein Reich und seine Herrlichkeit die Erde füllen. Und weil ich das glaube, habe ich das lebhafteste Interesse an allem, was sein altes Bundesvolk betrifft. „Ihnen gehört die Kindschaft und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißung" (Röm. 9, 4.). Sie haben eine wunderbare Vergangenheit gehabt, das sagt dieses Buch und geben alle Menschen zu. Sie sollen eine uoch wunderbarere Zukunft haben, nicht, wie Menschen sagen, nicht wie sie glauben oder zugeben, sondern wie dieses selbe Buch sagt." Aus diese Einleitung folgt eine Darstellung der Leiden der Juden seit dem Jahre 70 n. Ehr. als einer Erfüllung ebenso der Worte Mose's (5 Mos. 28, 58 ff.) wie Jesu (Matth. 24).

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