Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 8 (1.9.1891)
- Date
- 1891-09-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Doch es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte ich vor einem Kreise von Religionslehrern ein Thema eingehender und erschöpfender behandeln, das den Geist eines jede», seinen Beruf ernst erfassenden Lehrers auch ohnedies vollauf beschäftigt. Dagegen darf ich nicht unerwähnt lassen, wie es in unserem Nassau selbst nicht an Gemeinden fehlt, deren finanziellen Kräfte nicht einmal, selbst niit Hilfe der vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde bereitwillig dargebotcnen Unterstützung, ausreicht, für den Religionsunterricht ihrer Kinder Sorge zu tragen *) Vielleicht bietet, wie für so manche andere Mißstände, das auch von uns sehnlichst erwartete neue Schulgesetz Abbilfe, indem es unseren Religionslehrern an den öffentlichen Lehranstalten eine autoritative Stellung sichert und den Gemeinden die unleugbar drückende Last, die sie zu tragen haben, erleichtern hilft. Aber auch die Vereinigung, die die Religionslehrer Nassaus in dieser Konferenz sich geschaffen, bietet wohl Gelegenheit, die Stellung der Religionslehrer materiell wie ideell zu heben. Mehrt doch jede Vereinigung an sich schon die Kraft der Einzelnen und giebt ihnen erhöhtes Ansehen und Bedeutnng. Unzweifelhaft wird die Konferenz in erster Reihe ihre Aufgabe auf ihrem eigentlichen Bernfsfelde, der Lehrthätigkeit, suchen, das noch immer wenig gepflegte Gebiet der Methodik und Didaktik weiter ansbauen und durch Austausch von Erfahrungen das Wissen und Können der Einzelnen steigern. Eine schöne Aufgabe, die der Konferenz hier zu stellen iväre, dürfte die Bearbeitung eines Normallehrplans für unsere nassanischen Schule» sein, dem dann die höhere Genehmigung erwirkt werden könnte, um den vor einem halben Jahrhundert geschaffenen, in so mancher Beziehung nicht mehr genügenden Lehrplan abzulösen. Aber auch die materiellen Interessen dürften vielleicht durch den Verein ihre Förderung finden. Sagt doch schon ein alter Lehrer in Israel, daß das Materielle die unabweisbare Grundlage für die Förderung und das Gedeihen der höheren geistigen Interessen sei. Und wenn ich auch Anstand nehme, über die von dem Verbände beabsichtigte Gründung einer Pensionskasse im Rahmen dieses Vortrags mich anszusprechen, so darf ich doch darauf Hinweisen, daß die Gesetzeskraft besitzende Verordnung vom 7. Januar 1852 wertvolle Keime zur Besserstellung der Lehrer durch Angabe eines Gehaltsminimnms enthält, das, im Geiste dieser Verordnung, nur auf diejenige Höhe zu bringen wäre, die unseren gegenwärtigen Verhältnissen entspricht. So schließe ich denn mit dem innigen Wunsche, daß die Hoffnungen, die an das neue Institut der Konferenz geknüpft werden, sich verwirklichen mögen, ja, daß auch diese Vereinigung das Wort unserer Alten bewähre: Jede Vereinigung, zur Ehre Gottes ins Leben gerufen, hat Dauer und Bestand, hat eine glückliche und segensreiche Zukunft. *) Vergl. mein „Ein geistiger Notstand in No. 30 der Allg. Ztg. des Judentums, 1890.