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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-09-01 · Heft 8 (1.9.1891) · p. Seite 174

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 8 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 Doch je trauriger die Lage der Juden ward, desto mehr zerfiel auch ihr Schulwesen. Unberührt vom nationalen Leben, ferngehalten von aller Kultur, sank auch das Schulwesen immer tiefer, bis es eiu überaus schmerzliches und demütigendes Bild darbot. Der Unterricht, der, neben der Uebermittelung des Wissensstoffs insbesondere auch ans Anregung nnd Belebung der geistigen Kräfte gerichtet sein soll, beschränkte sich allmählich auf äußere, mechanische, gedächtnismäßige Aneignung, bei der aller vernünftigen Methode Hohn gesprochen ward. In dumpfen Zimmern, die selbst vor den bescheidensten Forderungen der Schulhygiene nicht würden bestehen können, ja in Zimmern, die die Schüler meist mit der Lehrerfamilie teilten, wurde der Lehrstoff von Lehrern, die nieder von vernünftiger Disziplin noch von Methode eine Ahnung besaßen, notdürftig beigebracht. Denn auch das Lehrermaterial war gar tief gesunken. Ja, was ei» hervorragender Diplomat vor Jahren von den Litteraten behauptete, galt mit bei Weitem mehr Fug und Recht von den jüdischen Lehrern im vorigen Jahrhundert und in den ersten Jahrzehnten des gegenwärtigen, daß es meist Männer mit verfehlter Karriere waren, die auf anderen Gebieten Schiffbruch gelitten und nun im Lehrberufe ihren letzten Rettungsanker erblickten. Es gehörte ja auch so blutwenig zur Bekleidung einer Lehrerstelle, man erschien fiir den Lehrberuf vollauf vorbereitet, wenn man das rituelle Schlachten und das Vorbeten in der Synagoge verstand. Nur durch diese beiden Fähigkeiten hatte sich der Lehrer teils durch Zeugnisse, teils durch einen Vortrag in der Synagoge auszuweisen; die Lehrfähigkeit wurde dagegen seitens der Gemeinden stillschweigend vorausgesetzt, sie besaß ja, nach ihrer Meinung jeder Jude. ' Es war eben das Cheder, das dem letzten Jahrhundert bis in unsere Zeit hinein die Signatur aufprägte, das Cheder, das die Verwilderung und Verrohung zur Anschauung bringt, der das Gemeindewesen, insbesondere der Religiousunterricht, in unserer Mitte, in erschreckender Weise anheimgefallen war, ja das Cheder, das dem jüdischen Landmanne noch heute so geläufig und er so gern im Munde führt, nicht nur weil es ihm mit einem religiösen Nimbus umkleidet erscheint, sondern weil es ihn an eine Zeit erinnert, in der der Religionslehrer der Diener der Gemeinde, den Jeder sein Abhängigkeitsverhältnis fühlen lassen durfte. Eine neue Zeit zog herauf. Sei es, daß der Freiheitshauch, der vom Westen herüberivehte, die in unserem deutschen Vaterlande aufgehäuften Miasmen und Giftstoffe allmählich tödtete nnd auch den Parias der Gesellschaft, den Juden, ein menschenwürdiges Dasein schaffte, oder sei es, daß der sich unter der Sonne eines neuen Jahrhunderts entwickelnde moderne Staat Gruppen, die, eine eigentümliche Stellung im Staate einnehmend, gewissermaßen ein Sonderleben führten, nicht länger dulden konnte, kurz, viele deutsche Negierungen wandten den so lange vernachlässigten Juden, die bis dahin nur vom kameralistischen Gesichtspunkte ans Beachtung fanden, ihre volle Aufmerksamkeit zu, suchten die so lange Zurückgestellten zu nützlichen Bürgern des Staates zu erziehe» und die naturgemäßen Bildungsmittel, Kultus und Schule, auf sie wirken zu lassen. teilen, daß der sel. Edelmann schon in den fünfziger Jahren das interessante Statut in Oxford kopiert und seine Veröffentlichung vorbereitet hat. Schon war der Text, sowie die von mir gefertigte Uebersetzung zum Teil gedruckt, als Edelmann leider erkrankte und die Herausgabe hierdurch vereitelt wurde. Die Korrekturbogen befinden sich noch in meinem Besitze.

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