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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-09-01 · Heft 8 (1.9.1891) · p. Seite 173

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 8 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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- 173 - fett-, die die jüdische Schulgesetzgebung beim Lehrer voraussetzte, sowie für die damaligen Arbeits- und Lebensbedingungen auf dein Gebiete der Lehrthätigkeit, daß dieselbe längere schulfreie Zeiten gar nicht kannte. Für die Lehr- und Lernthätigkeit war das Bibelwort: „Du sollst dich mit der Lehre beschäftigen Tag und Nacht" allein nur maßgebend. Nur an den Tage», die dem Gedächtnis an das nationale Unglück, an die Zerstörung des Tempels und die Auflösung des jüdischen Staates geweiht waren, sollte auch der Religionsunterricht eine Unterbrechung erleiden, nicht um Lehrer und Schüler eine Erholung zu gönnen, sondern weil an diesen Tagen sich der Lehrer jede Freude, auch die durch die Lehrthätigkeit erzeugte, versagen sollte. Es kann nun selbstverständlich meine Absicht nicht sein, in dem engen Rahnien eines Vortrages alle jene Momente darzulegen, die der Religionsschule des Altertums ihren Charakter aufprägten. Aber schon dies Wenige dürfte genügen, um die trefflichen Grundlagen nachzuweisen, auf denen der Religionsunterricht der israelitischen Jugend sich aufbaute, den Geist erlettchteter Frömmigkeit und begeisterter Hingebung zu kennzeichnen, in dem die Lehrthätigkeit sich vollzog und die schönen Erfolge ahnen zu lassen, die bei solcher aus den edelsten Motiven stammenden Wirksamkeit erzielt werden mußten. Welches Bild bietet uns nun aber die Religionsschule im Mittelalter dar? Unzweifelhaft machte der grundlegende Geist, den der Talmud in die Herzen gepflanzt, noch immer seinen mächtigen Einfluß geltend. Noch immer galt der Religionsunterricht als die höchste und heiligste Obliegenheit, gegen die jede andere Thätigkeit zurückzutreten hatte. Noch immer galt die Lehrthätigkeit als ein „göttliches Werk", dessen Vernachlässigung mit dem göttlichen Fluche bedroht war. So durfte der Lehrer selbst in jener asketischen Zeit nicht durch übermäßiges Fasten seinen Leib schwächen, damit er seine volle, unverminderte Kraft dem Unterrichte widmen könne. Auch trat das froinme Leben, der gottgläubige Sinn im elterlichen Hause der Thätigkeit der Schule helfend, stützend und tragend zur Seite. Der Vater hielt es für seine unerläßliche Pflicht, die Fortschritte selbes Sohnes selbst oder mittelst gelehrter Männer ztl überwachen und das „Verhör", wie es uns eines der bekannten Oppenheimerschen Bilder so anheimelnd vor die Augen stellt, bildete gewiß ein nicht zu unterschätzendes Mittel, ben Lehr- und Lerneifer immer wach und rege zu erhalten. Für verdienstlicher, als selbst der Bau von Synagogen galt die Förderung des Jugendunterrichts. Auch gesunde pädagogische und methodische Grundsätze kannte das Mittelalter. So enthält das „Buch der Frommen", dessen Verfasser, Jtida ha-chassid, gegen Ende des 12. Jahrhunderts lebte, treffliche pädagogische uiib didaktische Maximen, die sich noch heute für Erziehung und Unterricht als wertvoll erweisen. Ebenso besitzen wir ein treffliches Statut für das jüdische Schulwesen in Nordfrankreich aus bent dreizehnten Jahrhundert. Es gestattet tins einen sicheren Einblick in die damaligen Bestrebungen auf diesem Gebiete und zeigt uns den regen Eifer, der auf die Lehrthätigkeit verwendet ward. Die Anstalten, die nach diesem Statut begründet wurden, wareit Internate und man sieht augenscheinlich, daß Einrichtungen aus der christlichen Umgebung, sicherlich Klosterschulen, für diese jüdischen Lehranstalten zu Grunde gelegt waren.*) *) Zwar hat Wübemanu das unbestreitbare Verdienst, dies Statut, die . Chuke hatfiorn" (in seinem „Das Erziehungs- und llnterrichtswesen der Juden, Wien, Hölder 1881") zuerst veröffentlicht zu haben, aber wir geben der Wahrheit die Ehre und erfüllen zugleich eine Pflicht der Pietät gegen einen verdienten Gelehrten, wenn wir an dieser Stelle mit- . _ - .. . -»wn

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