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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-09-01 · Heft 8 (1.9.1891) · p. Seite 172

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 8 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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Hafter Fleiß, Lauterkeit des Sinnes, »«geheuchelte Frömmigkeit, Geduld, Sanftmut, Bescheidenheit, das sind die einzelnen Zöge, aus denen sich das Bild des Lehrers zusammensetzt, wie es der Talmud als Ideal vor uns aufgerichtet hat. Ruhte nun die Existenz der Religionsschulen, sowie der Besuch derselben auf einer vollauf gesicherten Basis, so entbehrte auch die Lehrthätigkeit nicht eines bestimmten, wohldurchdachten Planes. Selbst eine Art Nor mall ehrplan vermissen wir nicht, der, wenn er auch nicht deir Lehrstoff für die einzelnen Jahrgänge bis ins Detail darlegt, doch wenigstens in großen Zügen die Reihenfolge angiebt, in welcher der religiöse Wissensstoff behandelt werden sollte. Wir finden denselben in der Mischnah (Aboth V, 21) mitgeteilt, »ach welcher der Unterricht mit dem fünften Lebensjahre, und zwar, nachdem die Schwierigkeit des Lesenlernens überwunden, mit dem Lesen der heiligen Schrift zu beginnen habe. Das Bibelstudium, dem fünf Jahre gewidmet werden sollten, wurde mit dem Buche Leviticus eröffnet, damit, wie ein alter Lehrer meinte, die Reinen, das sind die Kinder, sich mit dem Reinen, das sind die Opfer, beschäftigen mögen. Vom zehnten Lebensjahre, also vom sechsten Schuljahre an, sollte das Studium der Mischna — das sind die religiösen Pflichten — beginnen, wofür gleichfalls fünf Jahre in Anspruch genommen wurden. Mit dem fünfzehnten Lebensalso elften Schuljahre sollte zur Gemarah, also zur tieferen und gründlicheren Erforschung des Traditionsstoffes, geschritten werden. Hohes Interesse bietet die Wahrnehmung, daß der Lehrer jener Zeit selbst bei der Vermittelung des einfachsten Lehrstoffes die Rücksicht auf die formale Bildung niemals aus dem Auge verliert, ja selbst beim Lehren des Lesens die Bildung des Herzens und des Geistes unablässig anstrebt. Hatte» diese Lehrer auch keine Ahnung von unseren neueren Methoden, der Lautir-Schreiblese- oder Jacotot'schen Methode, die, insbesondere, wenn die Kenntnis des Deutschlesens vorausgesetzt werden darf, die Erlernung des Hebräischlesens auf ein Minimum an Zeit und Kraft reduzierten, so besaßen sie doch Eines, das ihrer Lehrweise einen hohen Wert vor der unserigen gewährt: sie knüpften allein schon an die Erlernung der hebräischen Buchstaben, freilich zunächst ivohl zu mnemotechnischen Zwecken, aber doch gewiß auch im ethischen Interesse eine Fülle sittlicher Lehren, die das kindliche Gemüth erwärmen und seinen Geist erleuchte» mußten. Darum, so sagte beispielsweise der Lehrer zum lernenden Kinde, folgt dem Gimel (hier mit gamal-wohlthun in Zusammenhang gebracht) das Daleth (Dal-Armer), um dir zu sagen, daß du dem Armen wohlthun sollst. Und warum neigt sich der Fuß des Gimel zum Daleth? Um dich zu ermahnen, daß du dem Armen nachgehen sollst, um ihm Wohlthaten zu erweisen. Auch über das Maximum der einem Lehrer zuzuweisenden Schüler — eine Frage, die die modernen Gesetzgeber vielfach beschäftigt — läßt uns das talmudische Schulgesetz nicht in Zweifel. Wahrend nun aber in unseren Kulturstaaten dem Lehrer in der Regel Klassen von nahezu 80 -100 Schülern zugewiesen werden, eine Zahl, bei der eine individualisierende, die Eigenart des Schülers berücksichtigende Behandlung geradezu ausgeschlossen ist, beschränkt unsere Gesetzgebung die einem Lehrer zu übergebende Schülerzahl auf höchstens 25. Ward diese Zahl überschritten, so mußte dem Lehrer ein Adjunkt beiaegeben werden. Steigerte sich die Schülerzahl auf fünfzig, so erhielt die Schule zwei ordentliche Lehrer. Und nun nur noch ein Wort über die Ferien, diese Lichtpunkte im Leben unserer Schulen und — Lehrer. Es ist bezelchnend für die Berufsfreudig-

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