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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-09-01 · Heft 8 (1.9.1891) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 8 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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/ " V ' *‘ **" * " “ '“''■' .. ‘‘•r£:' rMi ■ ■■•■••.••. 'M — 171 — ' Ja, welche weise, pädagogischen Lehren, welche treffliche Mahnungen $tt frommer Kindererziehnng treten uns in den heiligen Büchern, insbesondere in den Psalmen und den Sprüchen, entgegen: goldene Früchte in silbernen Schalen, die noch heute in unverlöschlichem Glanze strahlen! Wenn ich Sie nur an die eine pädagogische Regel erinnere, daß der Knabe nach seiner Individualität erzogen werden müsse (Spr. Sal. 22, 6), so erkennen Sie allein schon hieraus, welche edlen Blüten der jüdische Geist auf dem Gebiete der Erziehung erzeugt, welche trefflichen Grundsätze er aufgestellt, die den Vergleich mit unserer modernen Pädagogik wahrlich nicht zu scheuen haben. Indem wir uns nun der Religionsschule, und zwar desAltertums, zuwenden, sehen wir uns, um ein Bild von ihr zu gewinnen, auf die dürftigen, oft nur notizenartigen Angaben angewiesen, die wir im Talmud an zerstreuten Stellen niedergelegt finden. Zur Erzielung einer möglichst klaren Anschauung dient es da, wenn wir den Maßstab von unseren heutigen Lehranstalten entlehnen, da doch tvohl nur durch Vergleiche ein klareres, deutlicheres Bild gelvonnen zu werden pflegt. Als eine wesentliche Vorbedingung für unsere Volksschulen erscheint uns Modernen der Schulzwang. Kannte das jüdische Altertum einen solchen? Nein. Und doch war der Schulbesuch der Jugend auch ohne denselben vollauf gesichert, ja gesicherter, als in unseren modernen Staaten mittelst des staatlichen, polizeilichen Zwangs. Denn tief in den Herzen der Eltern und Pfleger ruhte das von der Religion eingeflößte Bedürfnis nach dem Religionsunterrichte, so tief, daß nur ein verrohtes und verwildertes Gemüt sich dieser hohen und heiligen Verpflichtung zu entziehe» vermochte. Die Fürsorge für den Religionsunterricht der Kinder bildete den Gegenstand der lebhaftesten Sorge der Eltern; hierfür scheute mau selbst die schwersten Opfer nicht und eher hätte man bereitwillig auf jeden Lebensgenuß Verzicht geleistet, ehe man den Kindern die Nahrung für ihre Seele, den Religionsunterricht, voreuthalten hätte. „Viele arme jüdische Väter, sagt Josephus in seiner Schrift gegen den Judenfeind Apion, (II. 25) versagen sich das Unabweisbarste, um ihren Kindern Unterricht erteilen zu lassen". Bezeugen doch auch die Sentenzen und Aussprüche, die in reicher Fülle im Talmud zerstreut sind, die hohe Stellung, die bem Religionsunterrichte innerhalb der jüdischen Gemeinde angewiesen ist. „Rur durch den Hauch der Kinder in den Schulen", heißt es im Talmud, „wird die Welt erhalten", und selbst zum einstigen Aufbau des Tempels in Jerusalem dürfen die Hände der Kinder sich nicht regen, da sie nur mit dem Aufbau des Geistestempels beschäftigt werden sollen. „Wer sind", fragt ein Lehrer des Talmuds, „die Wächter der Stadt? Die Lehrer sind es". Ja, Jerusalem sei nur zerstört worden, weil dem Religionsunterrichte damals doch nicht die erforderliche Sorgfalt zugewendet worden sei. Erinnert dies nicht mutatis wutaudis au den preußischen Schullehrer» der die Schlacht von Königgrätz gewonnen? — Wie Niemand einen Ort zum Domizile sich erwählen solle, der des Arztes ermangelt, so sollten auch alle Orte gemieden werde», die zum Religionsunterrichte keine Gelegenheit darbieten. Lehrer aber sollten in jeder Gemeinde angestellt werden, ja Orte, die sich der Anstellung eines Lehrers weigern, sollten, nach dem Ausspruche des Patriarchen Rabbi Juda H, dem Erdboden gleich gemacht werden. Dieser hohen Schätzung des Lehrers gegenüber stehen freilich auch entsprechend hohe Anforderungen an denselben, die ihn weit über das gewöhnliche Durchschuittsmaß erheben. Reiche Kenntnisse, pädagogische Begabung, mnster- 15*

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