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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-09-01 · Heft 8 (1.9.1891) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 8 (1.9.1891)
Date
1891-09-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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‘-'«iij h; V-‘,,,i9Jlijy.J4;lll * _ 170 — Meine Herren! Wenn ein Institut ein um so größeres Ansehen gewinnt, je höher das Alter, auf das es zurückblicken darf, dann ist der israelitischen Religwnsschule der Anspruch auf das höchste Maß von Achtung utib Ansehen gesichert. Kein Institut, das der Erziehung und Belehrung gewidmet ist, darf sich eines gleich hohen Alters rühmen. Wie einst Napoleon I. angesichts der Pyramiden, so dürfen auch wir ähirlich von der Religionsschule sprechen: Mehr als zwei Jahrtausende schauen von ihr auf uns hernieder. Ja, als unsere christlichen Mitbrüder in Deutschland noch, in die Nacht des Heidentums versunken, in. Hainen und Wäldern ihren Göttern Tor, Wodin, Freya ihre Opfer brachten, als noch das Waffenhandwerk das Einzige war, das man die Jugend lehrte, und Niemand unter ihnen das Bedürfnis nach Weckung des Geistes und Veredlung des Gemüts empfand, da wurde schon im heiligen Lande d i e Schule gegründet, die der israelitischen Jugend die höchsten und heiligsten Güter vermittelt, welche dem Menschen erst den wahren Wert verleihe» — die Religionsschule. Ursprünglich lag der Religionsunterricht, wie ja auch dies naturgemäß, in den Händen der Väter, denen insbesondere in den religiösen Symbolen eine Fülle von Anschauungsmitteln dargebote» waren, um, an dieselben anknüpfend, den religiösen Sinn ihrer Kinder zu wecken, zu beleben und sie mit dem von den Ahnen überkommenen geistigen Erbe bekannt und vertraut zu machen. Aber die Mängel einer solchen, allein nur auf die väterliche Unterweisung beschränkten Belehrung mußten doch allmählich zu Tage treten, allein schon darin, daß nianche Kinder, deren Väter gestorben oder doch ungeeignet für die religiöse Belehrung, hierdurch von derselben geradezu ausgeschlossen waren. In der Erkenntnis dieses der religiösen Belehrung nachteiligen Zustandes gründete das thatkräftige Oberhaupt des Synhedrions, Simon ben Schetach, vor etwa zweitausend Jahren die ersten Religionsschulen, öffentliche Anstalten, die der religiösen Belehrung des heranblühendeu Geschlechts gewidmet waren. Aber auch dieser Einrichtung hafteten noch wesentliche Mängel au, die bald zu einer Umgestaltung des jungen Instituts führen mußten. Simon ben Schetach hatte nämlich für seine Schulen nur größere Städte in Aussicht genommen und wollte ihre Pforten nur Jünglingen vom sechszehnten Lebensjahre an erschließen. Daß die letztere Bestimmung insbesondere sich aus pädagogischen Gründen als unzweckmäßig erweisen mußte, unterliegt keinem Zweifel; denn die an Jahren vorgerückten Schüler zeigten sich einer methodischen Einwirkung meist unzugänglich. Da überdies auch die wenigen, nur in größeren Städten errichteten Schulen nicht das Bedürfnis genügend zu befriedigen vermochten, so reorganisierte etwa 150 Jahre später der auch sonst vielfach verdiente Hohepriester Josua ben Gemala das Institut der Religionsschule derart, daß an jedem Orte eine solche begründet werden sollte, daß sie aber auch die Kinder schon vom fünften Lebensjahre an aufzunehmen habe. Denn der kindliche Geist gleicht, um mit Elischa ben Abujah (Aboth V. 24) zu sprechen, neuem Pergamente, auf das mit Tinte geschrieben wird, wo jeder Zug sich klar und scharf ausprügt und unverwischlich, unzerstörbar wird. Verwundern kann es uns nun freilich nicht, daß ein Volk, dessen Lebensnerv, ja dessen wesentlichste Lebensbedingung die Religion ist, in der Fortpflanzung derselben auf das heranblühende Geschlecht seine hervorragendste Aufgabe erblickt. Wird doch schon des Urahns Abraham Bedeutung darin gefunden, daß er seinen Kindern und seinein Hause nach ihm den Wandel in Gottesfurcht, in Treue und Redlichkeit befehlen werde. (Gen. 18, 19).

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