Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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. -'""-fy* •' y'” » * * ’ . V — 1B1 — einem Artikel „Antisemitentum ünd Judentum" heißt es am Ende: Jetzt hat unser Herr zunächst das Heer der Antisemiten erweckt, welche schonungslos Vorgehen; und wer weiß, was Alles noch nachfolgt. Die Juden erkennen in dem Allen auch nicht, daß Christus dahinter steht; denn auch unser Herr thut Alles nur aus lauter Liebe, um Sein Volk zu erretten; aber es gehört noch mancher harte Stoß dazu, um die Verhärtung ihrer Herzen zu brechen. Die Ansicht, daß Christus, der die Liebe Predigt, hinter den, Antisemitismus stehe, ist allerdings neu und charakterisiert die uns zugesandten Blätter ani besten. — In einer zahlreich besuchten Versammlung des „Volksvereins für das katholische Deutschland" zu Paderborn, in welcher sich auch der Weihbischof Herr Dr. Gockel befand, sprach Herr Generalvikar und Domdechant Dr. Schulte folgende herrliche Worte: „Den Konfessionen gegenüber muß der Grundsatz für uns maßgebend sein, daß wir uns mit einander vertragen; jede religiöse Hetze, gleichviel ob sie gegen uns Katholiken, oder gegen evangelische Christen, oder auch gegen die Juden gerichtet ist, müssen wir als einen Frevel bezeichnen, welcher die Lehre des Christentums schwer verletzt." Mögen diese zeitgemäßen Worte weit hinaus klingen. — Man berichtet uns: Ein schönes Beispiel von Toleranz und friedlichem Zusammenleben verschiedener Religionen und Konfessionen wurde jüngst in Löwenberg i. Schl, gegeben. Auf den Sarg des katholischen Pfarrers Florian legte die israelitische Gemeinde einen Kranz, während bei der Beerdigung auch die evangelischen Kirchenglocken erklangen. — In Hirschberg hat sich ein Antisemiten-Verein ge- , gebildet. — Gegen Herrn Karl Paasch, welcher ein zweibändiges Werk: Eine jüdisch-deutsche Gesandschaft und ihre Helfershelfer" herausgegeben, ist von Seiten des Staatssekretärs des auswärtigen Amtes Strafantrag gestellt worden. Die Schrift ist als Frucht der antisemitischen Bewegung anzusehen, die dein scheinbar geisteskranken Mann den Kopf verdreht hat. — Der Hilfsverein für jüdische Studierende in Kerlin (von 1841—1891) hat während der fünfzig Jahre seines Bestehens 1403 Stipendien mit 411,000 Mk. gewährt. „Das Erwecken schlummernder geistiger Kräfte ist ein erhabenes Ziel menschlicher Thätigkeit", schrieb Slerander v. Humboldt bei Begriindung des Vereins. — Unter der Redaktion des Herrn U. Heine, Sprachlehrer in Frankfurt a. M. erscheint monatlich einmal eine Zeitschrift: „Internationale Korrespondenz, Organ für einen allgemeinen Weltverkehr", welches der Volapük-Sprache gewidmet ist. — In der „Sphinr", Monatsschrift für die geschichtliche und experimentale Begründung der übersinnlichen Weltanschauung nach monistischer Grundlage, herausgegeben von Hübbe- Schleiden, Mai 1891, wird auf Seite 312 und 313 auf den Aufsatz die „Wiederverkörperung" von Rabbiner Dr. Rothschild (im X. Jahrgänge unserer Monatsblätter) hingewiesen. — In Frendenberg ist die Synagoge ein Raub der Flammen geworden. — Es liegt uns der 13. und 14. Jahresbericht des Mädchenstifts zu Frankfurt a. W. für die Jahre 1889 und 1890 vor. Das Mädchenstift hat bekanntlich den Zweck, herangewachsenen und einer geeigneten hiesigen Häuslichkeit entbehrenden Mädchen, den Schutz eines geordneten und gesitteten Hauswesens zu gewähren, sowie auch, falls die Mittel dazu ausreichen, die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. Bis auf Weiteres werden nur Mädchen israelitischer Konfession berücksichtigt, die nicht unter fünfzehn Jahre alt sind und welche das "24. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Die Anstalt zählt augenblicklich 24 Zöglinge, von denen jedoch nur drei aus Franksurt selbst stammen, die übrigen sind aus der Provinz Hessen-Nassau, aus Baden, Bayern, und dem Großherzogtum Hessen. Das Mädchenstift trägt also durchaus keinen 14