Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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,wi\v,iwxff*5''-" .*7%^$r? — 159 — ihm spricht, geschieht es in rauhem Befehlston. Wenn man etwas von ihm kauft, so schreit inan ihn an: „Aber daß Du mich nicht betrügst!" Wenn man ihn ans der Straße anruft, ohne seinen Namen zu kennen, so ruft man wohl noch heute kurzweg „Jude!" Bis zmn heutigen Tage giebt es in Korfu ein Ghetto, ein Judenviertel, wie es in Roin eines gab. Sie nennen es „Ebraeika“, wo sich auch die jetzigen Unruhen abgespielt haben. Es sind aber ganz schöne breite Straßen und Häuser da, nicht was im Allgemeinen unter Ghetto verstanden wird. Nach einer annähernd wohl richtigen Schätzung giebt es gegen 5000 Juden, meistens arme, oder nur mäßig bemittelte Leute, durchweg Händler. Man kann die Leute nicht mit den Juden in Deutschland, England und Frankreich vergleichen, die zu der baute banque gehören, Fabriken und große Geschäfte haben, in der vornehmen Gesellschaft verkehren, adelig nnd Barone werden, ihre Töchter an hochstehende Leute und vornehme Offiziere aus alter Familie verheirathen, ihre Söhne auf die besten Schulen schicken und so weiter. Die hiesigen Juden sind der Mehrzahl nach — es giebt auch ausnahmsweise Reiche, aber die leben nicht im Judenviertel und halten es nicht zu den Uebrigen — arme Teufel, die froh sind, niit kleinem Handel ihr Leben zu fristen. Die Leute sind durchweg brav, ihr Leben in der Familie ist ganz patriarchalisch; der Vater ist der unumschränkte Herr im Hause; die Kinder sind von großer Ehrerbietigkeit gegen die Eltern beseelt, die Geschwister hängen mit inniger Liebe aneinander. Ihre Glaubensvorschriften befolgen sie sehr streng. Untereinander unterstützen sie sich »nach Kräften. Ich habe sie stets ehrlich gefunden; Andere klagen freilich auch vielfach über ihre Uebervortheiluugen, aber, daß ich es nur bekenne: der christliche Kleinhändler ist auch kein Muster. Im Ganzen ist es „povera gente“, wie die Italiener sagen. Irgend etwas Ernstliches kann man ihnen nicht nachsagen. Ein Hauptvorwurf, den die Geistlichkeit gegen sie erhebt, ist, daß sie an den jüdischen Feiertagen keine Geschäfte machen, dagegen an den christlichen Sonntagen ihren Handel betreiben. Das könnten aber die Christen selbst leicht ändern, wenn sie nur wollten." W o n a t s s ch a u. Ans Anlaß der Enthüllung des Grabdenkmals, das die jüdische Reformgemeinde in Zerlin ihrem verdienten Prediger, Herrn Dr. Imanuel Kitter errichten ließ, fand am 16. Juni auf dem Friedhofe in Weißensee eine Gedächtnisfeier statt. Herr Prediger Dr. Kevin hob die unverwelklichen Verdienste des hochverdienten Mannes hervor, während Herr Rabbiner Dr. Waybaum, ein Freund des Heimgegangenen, dessen Verdienste uin die Betonung der Zusammengehörigkeit der jüdischen Reformgemeinde mit der großen Berliner Gemeinde pries. Mit einem Chorgesauge wurde die Feier eröffnet und geschlossen. Der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" war durch eine Deputation bei der Feier vertreten und ließ einen Kranz auf das Grab des Verewigten hiulegen. — Zu der mit einem Betrage von 75,000 Mk. in Zerlin bestehenden Simon und Hermann Höhm'schen Stiftung hat einer der Mitbegründer weitere