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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-08-01 · Heft 7 (1.8.1891) · p. Seite 158

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 7 (1.8.1891)
Date
1891-08-01
Page
Seite 158 (sequence 14)
Language
German
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verarmten Leute, sollen sie auch arbeiten, um sich Vermögen erwerben zu können? Gewiß nicht. Nun was dir nicht lieb und nicht angenehm ist, füge deinem Nebenmenschen nicht zu, das ist das Grundprinzip der Lehre, alle übrigen Vor-' schriften und Satzungen bilden hierzu den Kommentar. Daher gehe hin und lerne, dringe ein in den Geist der Lehre und du wirst die Ueberzengung gewinnen, daß die Humanität, die Wohlthätigkeit, der Hauptzweck der Religion sei. — Wenn sich auch die Religion Israels nicht ostentativ die Religion der Liebe nennt, ist sie doch durch und durch, eine Religion der werkthätigen Liebe, R. Akiba hat daher mit Recht gelehrt, daß das schöne, erhabene biblische Gesetz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", das wichtigste Grundprinzip der ganzen Religion sei. — Ebenso heißt es anderweitig int Talmud: das friedliche und freundliche Zusammenleben, die brüderliche Teilnahme, die Hunianität, ist von solch' hoher Wichtigkeit, daß Gott der Herr nur deshalb sich am Sinai offenbarte, und Israel die Lehre verliehen hatte, um durch die erhabenen Lehren und Vorschrfften derselben, die jeden Rassen- und Klassenhaß, jeden Neid und jede Verfolgungssucht enschieden verpönen, die allgeineine Menschenverbrüderung und Nächstenliebe in der Welt fördern zu können. Weber die Juden in Korfu. Ein deutscher Gelehrter, der in Korfu, wo er mehrmals zu Studienzwecken geweilt, gute Beziehungen unterhält, hatte sich nach Ausbruch der Unruhen an einen dortigen griechischen Kollegen gewendet, um zuverlässige Auskunft über den wirklichen Stand der Angelegenheit zu erhalten. Dieser direkte Zweck wurde nun zwar nicht erreicht, da der Adressat diesen Winter und Frühling nicht auf Korfu, sondern auf Reisen verlebt hat, über Entstehung nud Verlauf der IudenUnruhe n also nichts mitzutheilen in der Lage war. Dagegen bietet der Brief aber Aufschlüsse über die dortigen Verhältnisse und besonders über die Beziehungen der christlichen Konfessionen zu den Juden. Wir entnehmen dem Schreiben folgende Einzelheiten. „Nichts ist wohl unrichtiger, als zu behaupten, der Antisemitismus habe bisher in Korfu keinen Boden gehabt und sei eine erst jetzt künstlich erzeugte und von außen eingeschleppte Bewegung, wie ich dies als Meinung deutscher Blätter gelesen habe. Es ist sehr schwer, mit kurzen Worten Demjenigen, welcher mit den hiesigen Verhältnissen nicht durch längeren Aufenthalt vertraut ist, die Sachlage richtig zu schildern. Antisemitismus im Sinne der Bewegung in Deutschland oder der Drumont'schen (La France Juive) in Frankreich giebt es allerdings hier nicht, dafür aber eine Art des Judenhasses oder noch besser gesagt der Judenverachtung, welche praktisch diesem Antisemitismus ziemlich gleich kommt. Wer im Orient gelebt hat, kennt diese eigenthüniliche Stellung der Juden, die sich besser empfinden, als schildern läßt. Man haßt den Juden nicht, man verachtet ihn auch nicht, man ist ihm auch nicht eigentlich feindlich gesinnt, aber man betrachtet ihn als ein minderwerthiges Wesen („quantite negligeable“ schreibt der Verfasser hier), als den Angehörigen einer schlechteren Kaste. Man behandelt ihn im Allgemeinen stets sehr roh und unfreundlich. Wenn nian zu

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