Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 leichtert, werden wir bald erkennen, daß diese Worte gerichtet sind an die Jugend wie an das Alter, an die Glücklichen wie an die Schinerzgebeugten, an die Besitzenden wie an die Besitzlosen, an die Einzelnen wie an die Gesammtheit. Ja, an alle ergeht dieselbe Mahnung, den Frühlingsmonat zu beobachten und in demselben ein Ueberschreitungsfest dem Herrn zu feiern, hier mäßigend, dort spornend, hier tröstend, dort warnend, hier einladend zu heiterem, weisen Genüsse der Gegenwart, dort die Vergangenheit mit versöhnendem Strahle mild beleuchtend, das Ziel der Zukunft sanft erhellend. „Beobachte den Frühlingsmonat," o Jüngling! Wenn alles in der Natur keimt und sprosset, alles rings um dich zu frischer, fröhlichen Thätigkeit erwacht, dann streue auch du, dem der Lebensfrühling freundlich lacht, die Samenkörner aus der Tugend und des Fleißes, damit dein Saatgefilde grüne, damit schöne Hoffnungsblüten deinem Herzensbod.en entsprießen, Blüten, die jetzt schon süßen Duft um dich verbreiten, aus denen sich später körnige, saftige Früchte entwickeln werden. Unterlasse es aber auch nicht, die bescheidene Heil- und Zierpflanze der Religion und Gottesfurcht anzubauen, die deinen Garten lieblich schmückt, und der die Wunderkraft innewohnt, dem verderblichen Unkraut der bösen Leidenschaft und der niederen Begierde die Nahrung zu entziehen und es so im Keime zu ersticken. Begehest du nicht im Frühlingsmonat das Ueberschreitungsfest dem Herrn, unterlassest du es, in deiner von jugendlicher Begeisterung erfüllten Brust einen Altar dem Göttlichen zu errichten: so wird es dir in reiferen Jahren schwerlich gelingen, noch Zeit und Rauni für solch weihevolle Thätigkeit zu finden. Du wirst mit unersättlicher Gier den Becher der Freude an deine Lippen setzen, doch nachdem du ihn wiederholt geleert, wirst du seinen Inhalt schal und widrig finden, und die Oede und Leere deines Innern wird durch die unstillbare Sehnsucht, die sich nunmehr — zu spät — deiner bemächtigt, nicht ausgefüllt. „Beobachte den Frühlingsmonat" und freue dich der Wiederkehr des Lenzes, du, der die Mittagshöhe des Lebens überschritten, für den das Greisenalter herannaht oder schon angebrochen ist. Und haben auch manche Träume deiner Jugend sich nicht verwirklicht, sind auch manche Ideale, denen du nachgestrebt, durch die rauhe Wirklichkeit jäh zerstört worden, wie zarte Pflanzenkeime durch verheerenden Nachtfrost: deine Mühe war doch nicht vergeblich, das Feld, das du urbar gemacht, wird doch, so du edlen Samen hineingesenkt hast, ergiebigen Ertrag liefern, wenn nicht dir, so deinen Nachkommen; es harret wohl auch nur des belebenden Odeins der wärnieren Jahreszeit, um sich mit grünen Halmen allsobald zu bedecken. Villeicht ist der diesmalige Frühling deinen Wünschen, deinem Hoffen günstiger gestimmt, als seine Vorgänger es waren, vielleicht ist es dir noch beschicken, ehe dein Auge zlim Winterschlafe sich schließt, die Wetterwolken schwinden zu sehen, die deinen Horizont so lange umzogen hielten So feiere froh das Ueberschreitungsfest dem Herrn und bewahre dir dankbar die Erinnerung an seine wunderbare Hilfe, die dir so oft geworden, stütze dich fest auf den Stab, den er dir huldreich darbeut, und der dich schon oft aus der Enge und Finsternis sicher geleitet hat in hellen weiten Raum. „Beobachte den Frühlingsmonat," du Glücklicher, mit reichem Besitze Allsgestatteter! Siehe, wie er mit vollen Händen seine Gaben ausstreut, wie er selbst am dürren Holze durch seine warmherzige, linde Berührung thaufrische Triebe hervorlockt, lvie er des Wurmes im Staube nicht vergißt, wie er wohl zu thun und zu erfreuen nimmer ermüdet, wie er auch da, wo des Mensche«