Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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148 „Orient", herflusgegeben von Prof. Dr. Julius Fürst. Kurz nach Begründung der Deutsch-Morgenländischen Gesellschaft wurde er in deren Redactionscomito gewählt und trat als Mitleiter des Institutes zur Förderung der jüdischen Litteratur auf. Im Jahre 1856 wählte ihn die israelitische Cultusgemeinde zu Wien zu ihrem Prediger, welches Amt er am Thorafreudenfeste 1857 zum Segen der Gemeinde und des Judentums antrat. So stimmen wir denn aus vollem Herzen in den Jubel ein, der von allen Seiten den ruhmgekrönten Sieger auf dem Schlachtfelde des Geistes umtönt, und bringen dem Jubilar, dem wohlverdienten Ehrenmitgliede des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M>, namens desselben unsere innigsten Glückwünsche entgegen. Möge. Jellinek noch lange frisch an Geist und Körper, zum Wohle seiner Familie, seiner Gemeinde, des Judentums und der Menschheit wirken und möge sein mächtig Wort noch lange erklingen zur Erhebung der Herzen und zur Erweckung der Geister, möge er unentwegt in ungebrochener Frische in Wort und Schrift weiter kämpfen für Recht und Wahrheit und möge ihm besonders im Kreise seiner lieben Angehörigen aus deren Mitte Herr Prof. Dr. Georg Jellinek, ein Sohn des Jubilars, eine Lehrkanzel unserer Nachbar-Universität Heidelberg ziert, noch viele Jahre heiteren ungetrübten Glücks beschieden sein. Gedächtnisrede zur Grinnerung an den jel. Kerrn HtabSiner Dr. W. MM, gehalten in der Hauptversammlung des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. am 12. März 1891 von Dr. I. Blau. Hochgeehrte Versammlung! . In einer Zeit, in der die Not des Tages groß und die materiellen Jtlteressen verschiedenster Art aufeinanderplatzelld in hartenl Kampfe miteinander ringen; in einer Zeit, in der der geistige Fortschritt zwar bedeutend, aber über das Alte hinwegstürmend nicht nur das verrottete Alte entwurzelt und ausreißt, sondern in ungestümem Drange auch das gute Alte im Sturme des Eifers zu vertilgen droht: in einer solchen zugleich großen und schweren Zeit die idealen Güter früherer Tage zu wahren und in die neue Zeit hinüberzuretten, das ist und bleibt eine der wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben unserer Zeit. Wer an diese Aufgabe herantritt, muß eines doppelten Kampfes gewärtig sein, eines Kampfes nach zwei Seiten hin: einmal nach der Seite der Alten, welche die großen Fortschritte der Menschheit auf allen Gebieten des Wissens zwar nicht leugnen, denn das ginge nicht all — aber ihre Existenz ignoriren und die über jede Umformung der Hülle, ivelche die Berücksichtigung eben dieser Fortschritte erheischt, zetern, auch wenn der alte, goldne Inhalt gewahrt bleibt; sodann nach der Seite der Neuen, die in sorgloser, oberflächlicher Ueberhebung, über die wirklichen Resultate der Wissenschaft hinaus, weil einiges Alte unter ihrem Secirmesser gefallen, nun über alles Alte den Stab brechen und es über Bord werfen zu dürfen vermeinen. Um in einem solchen Kampfe Erfolg zu haben, ist es erforderlich, daß die Kampfeswaffeu tadellos scharf