Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 7 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 — 147 — der jüdischen Litteratur hervor und ist ihm, dem Manne von hohen Gesichtspunkten, in der Wissenschaft nichts zu klein und geringfügig, das sich nicht seiner liebevollen Beachtung und Pflege zu erfreuen hätte, weil sich ihm in Allem und Jedem das große Ganze des erhabenen Judentums abstrahlt. In Jellinek, der sich Männern wie Rappavort, Zuuz, Fürst, Jost und anderen anschloß, war dem Judentum ein Mann erstanden, der für seine Wissenschaft erglüht, Bedeutendes geleistet. Seine Schriften — über hundert an Zahl — und seine zahlreichen Aufsätze philosophischen, kabbalistischen, religionsphilosophischen und bibliographischen Inhalts zeigen von seiner großen Gelehrsamkeit und hat er sich besonders durch die Herausgabe wertvoller hebräischer Handschriften dauernde Verdienste erworben und auf weite Kreise anregend gewirkt. Seine große Büchersarumlung selbst giebt Zeugnis von seiner unendlichen Liebe zur Wissenschaft und von seinem seltenen Verständnis für die jüdische Litteratur. Durch die Gründung der Lehranstalt Beth-ha-Midrasch hat er in Wien der jüdischen Wissenschaft eine Stätte errichtet, die durch Jnslebentreten eines Rabbinerseminars seine Verdienste nach dieser Richtung hin krönen wird. Jellinek hat aber neben der Gotteslehre und dein Gottesdienste auch das Feld der werkthätigen Menschenliebe reich bebaut. Wir erinnern nur au seine große Anteilnahme an der Begründung und Verwaltung der Stiftung des Herrn Baron v. Hirsch. Und darum strömen dem verdienten Mann, der auf ein reines reiches Geistesleben zurückblicken kann, von allen Seiten verdiente Huldigungen an seinem Ehrentage entgegen. Es würde zu weit führen, wollten wir unserer Feder noch weiter freien Lauf lassen, um unseren Lesern die reichgesegnete Wirksamkeit des verdienten Mannes noch ausführlicher zu schildern und wollen wir uns nur darauf beschränken zum Schlüsse noch Einiges aus seinem Lebenslaufe hier folgen zu lassen. Jellinek wurde am 26. Juni 1821 zu Drislowitz in Mähren geboren. Von mütterlicher Seite stammt er von einer berühmten Gelehrtenfamilie ab, die bis zu Rabbi Sabbatai Cohn (Schach) und Rabbi Samson Ostropoler zurückreicht. Als fünfjähriger Knabe, nach dem Tode seiner Mutter, wurde er zur Mutter der Verstorbenen nach Ung.-Brod gebracht, wo er bis zu seinem dreizehnten Lebensjahre verblieb. Er besuchte schon als elfjähriger Knabe die talmudischcn Vorlesungen des Ortsrabbiners Rabbi David Buchheim und hörte später durch vier Jahre in Proßnitz die Vorträge des gekehrten Rabbi Moses Wannefried. Dort, wo schon eine freiere Geistesluft wehte, widmete sich Jellinek auch dem Studium der Profanwissenschafteu und den modernen Sprachen und erregte durch seine geistigen Anlagen, wie durch sein seltenes Gedächtnis allgemeines Aufsehen. Er gieng spater nach Prag und weilte drei Jahre hindurch dem Gymnasialstudium obliegend, als Lehrer im Hause des Herrn Dr. A. Rosenbacher. Von Prag aus besuchte er seine Heimatsgemeiude Ung.-Brod und hielt dort eine Rede im modernen Style und einen taluiudischeu Vortrag. Entscheidend für seine ganze Geistesrichtung und Lebensstellung war es, daß er von Prag nach Leipzig gieng, woselbst er im Jahre 1842 die Universität bezog. Er hörte Vorlesungen bei Weiße, Fleischer, Brockhaus, Wachsmuth, Haupt und beschäftigte sich viel mit philosophischen Studien, mit Spinoza, Schelling und Hegel und mit orientalischen Sprachen. Im Jahre 1845, am jüdischen Neujahrsfeste, predigte er zum ersten Male in der sogenannten Berliner Synagoge in Leipzig um die Meßzeit und wurde zum Prediger der Gemeinde gewählt. Dort entfaltete er eine reiche Thätigkeit als Prediger und Gelehrter, gab selbst eine Zeitschrift „Das Sabbatblatt" heraus und beteiligte sich sehr als Mitarbeiter am 13*