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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-08-01 · Heft 7 (1.8.1891) · p. Seite 146

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 7 (1.8.1891)
Date
1891-08-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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146 Darum überall die großen Gesichtspunkte von denen er ausgeht, die seinen Worten und Schriften einen eigentümlichen Reiz verleihen, und die bewirken, daß man im persönlichen Verkehre mit ihm sich so mächtig geistig angeregt fühlt. Alles Kleinliche, was sonst vielen unserer Theologen zum Ersätze für große Gedanken anzuhaften pflegt, blieb ihm stets ferne, wie es einem Manne ziemt, der, wie er, ans der Höhe der Wissenschaft und der Zeit stehend, eifrig und unermüdlich lernt und lehrt. Und so hat denn Jellinek nicht nur die Stätten seiner amtlichen Thätigkeit mit dem Glanze seines Namens bestrahlt durch sein Wesen und Walten, durch sein Wissen und Wirken, sondern mit der Mnstergemeinde Wien, die mit Stolz und Bewunderung ans ihren geistlichen Führer Hinblicken kann, vereint sich die ganze Judenheit, die in Jellinek ihren edelsten Repräsentanten verehrt. Als Prediger ist Jellinek unerreicht. Seine Reden sind von prophetischem Geiste erfüllt und das ist das Geheimnis ihrer geradezu zündenden Wirksamkeit auf die Hörer, die er mit sich fortreißt zur Höhe seiner lichten Anschauung. Zauber der Sprache, bezwingende Macht der Logik, plastische Formvollendung, bewundernswerte Rednergabe zeichnen den Meister des Wortes aus, der auf dem Gebiete der jüdischen Homiletik neue Bahnen eröffnet, wovon seine zahlreich erschienenen Reden Zeugnis ablegen von denen eine Volksausgabe veranstaltet werden sollte, damit sie in weitere Kreise dringen, znm Nutz und Frommen der Gesammtheit. In Jellinek's Munde lebt die alte mächtige prophetische Rede wieder auf und seine Worte sind Weck- und Mahnrufe, die nie leer verhallen und denen eine dauernde anregende Kraft gesichert bleibt. Mit seinem umfassenden Blicke erkennt Jellinek, was dem Judentunie unserer Zeit not thut, mit dem Auge eines weisen Sehers schaut er in die weite Zukunft und redet so nicht nur von dem, was Israel war und ist, sondern auch von dem, was Israel werden soll, wie es den Völkern voranleuchten müsse und ist er immer darauf bedacht, seine Bedeutung, seine Aufgabe und seine weltgeschichtliche Stellung zu betonen und hervorzuheben. Der gewaltige Geist der Propheten durchrauscht den vielbewunderten Prediger, sei es wenn er kühn und schwungvoll das Wort der Strafe mächtig ertönen läßt, oder wenn er sanft und milde Trost und Heilung spendet. Jellinek stellte aber auch als der erste mit Erfolg die Wissenschaft des Judentums in den Dienst der Kanzel. Man weiß nicht schreibt unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Joel Müller (Adolf Jellinek ein Gedenkblatt Wien 1882) ob man den tiefen Gehalt, die Schärfe und die Klarheit der Schriftauslegungen oder die hohe Kunst bewundern soll, mit der sie, wenn sie auch in reicher Fülle hinströmen, doch nur wie farbenreiche duftende Blumen durch die zierlichen Sätze eines klassischen Styles geschlungen sind. Jellineks Predigtsaininlungen sind reiche Palmenhaine lichtvoller historischer Betrachtungen und agadischer Auslegungen und übertreffen au logischer Wahrheit in echt rationellem Sinne und in einfacher Hoheit die Leistungen aller seiner Zeitgenossen. Manche seiner Predigten haben mehr Werth für die heilige Schrift als bändereiche Commentare. In seine Predigten hat er die Ergebnisse seiner Forschungen hineingetrageu und zwischen dem grünenden Gezweige edelster Beredsamkeit winken die reifen Früchte ernster Gelehrsamkeit. Das Ideal der Menschenverbrüderung im reinen Gottesglauben und deren Bethätigung in echter Menschenliebe, das unsere große Propheten erfüllte, durchzieht die Reden unseres gewaltigen Predigers, welche vom Geiste der Weisheit und Wahrheit erfüllt, die Seelen erleuchten und die Herzen erheben. Aber wie als Redner ragt Jellinek auch als Gelehrter auf den verschiedenen Gebieten

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