Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 142 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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142 des Sabbats von Samstag auf Sonntag zu verlegen, um den in der Woche beschäftigten Israeliten die Beteiligung an dem Gottesdienste zu erleichtern. Der Groß-Rabbiner Herr Zador Kahn zeigt sich geneigt, a>» Sonntag für die in der Woche beschäftigten Personen, namentlich für die Schulkinder einen besonderen Gottesdienst mit Musik, Chören und Predigt zu veranstalte». — Die Stadtverwaltung in Lille hat der jüdischen Gemeinde daselbst einen Bauplatz zur Synagoge unentgeltlich überlassen. -- Der Französische Großrabbiner Herr Zadoc Kahn wird selbst die feierliche Einführung des Großrabbiners von Algier, Herr Moses Weil vornehmen und bei dieser Gelegenheit die dortigen jüdischen Verhältnisse persönlich in Augenschein nehmen. — Nach Mitteilung des „Univers" soll der Historiker Wr. Keqmn im Archiv von Avignon Dokumente gefunden haben, aus welchen erhellt, daß daselbst die Buchdruckerknnst mehrere Jahre vor Gnttenberg geübt wurde. Im Jahre 1444 sei ein Goldschmied Namens Prokop Waldvogel ans Prag nach Avignon gekomnien und habe dem Inden David de Caderosso, „eine neue Methode zu schreiben" bekanntgegeben und ihm versprochen, die erforderlichen Werkzeuge zur Ausführung dieser Methode in Bälde zu verschaffen. Caderosso begann zunächst mit der Herstellung hebräischer Typen. Waldvogel teilte jedoch die Erfindung mittlertveile auch einem getvissen Manuel Vital mit, welcher durch ihn in die Lage versetzt wurde, noch früher als Caderosso Drucke herznstellen. — Die größte Aeguatorial-Nadel, eine Erfindung des Herrn Maurice Lömy, wird anläßlich des internationalen astronomischen Kongresses in Daris aufgestellt und eingeführt. — Herr Rabbiner Dr. Adler in London hat ein sehr altes Gebetbuch käuflich an sich gebracht, welches bisher »»gedruckte Gedichte von Jehnda Halevi, Abraham Jbn Esra und anderen Dichtern enthalten soll. — In London starb die Witttve von dein verstorbenen Oberrabbiuer Dr. Adler. — Herr Dr. Anghcl Gaster, Bruder des Oberrabbiners Dr. Gaster, ist zum Hausarzt am Viktoriapark-Hospital für Brustkranke in London ernannt worden. — Wr. Soscanien vom Britischen Museum in London hat eine wichtige babylonische Inschrift entziffert und übersetzt, Es ist ein Gebet des Königs Assnrnazirpal, der int 19. Jahrhundert v. Chr. lebte. Der Wortlaut ist hochpoetisch und erinnert an die Psalmen Davids. Das Gebet ist an Jstar, die Königin des Himmels, gerichtet. — Nach mehrjähriger Vorbereitung wird demnächst ein großer Teil der in London vorgenommenen englischen Uebersetzung der „Geschichte der Juden" von Graetz erscheinen. — Wie der päpstliche „Osservatore Romano" meldet, leben noch heute in den Bergen der Insel Sardinien Abkömmlinge jener 80,000 Inden, die Kaiser Vespasian »ach der Zerstörung Jerusalems nach dieser Insel verbannt hat. Sie sprechen noch heute einen lateinischen Dialekt und nennen den Monat September gewöhnlich: oapitaimi d h. Jahresanfang, weil in diesen Monat bekanntlich gewöhnlich der jüdische Nenjahrstag fällt. — Man schreibt aus Koni: In der Tiber wurde eine silberne Platte mit hebräischen Schriftzeichen anfgefnnden. Professor Astoli, der berühmte Philologe, welcher mit der Untersuchung betraut wurde, erklärt, daß die Inschrift biblische Beuediktionen enthalte, untermischt mit Namen, welche nicht hebräisch sind, obwohl dieselben mit hebräischen Charakteren geschrieben erscheinen. — Ein weiterer Fund wurde im Distrikte von Trastevere gemacht, Inschriften von einem alten israelitischen Friedhöfe, verniutlich ans dem 16. Jahrhundert, da im Jahre 1625 den Juden die Aufstellung von Grabsteinen verboten wurde. Professor Guidi hat ans den Inschriften Namen von Familien gefunden, welche noch in Rom existiren. — Von der Vulgata aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts,