Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 140 (sequence 20)
- Language
- German
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140 — In Serlin gab es im Deutschen Reichstage und im Preußischen Abgeordnetenhause Judendebatten. Herr Stöcker belobte den Mut des Oberlandesgerichts- Präsidenten von Bresla», der die Wahl von Inden zu Geschworenen möglich vermieden wissen wollte. Den Antisemiten wurde tüchtig heimgeleuchtet. — Der Privatdozent Dr. Gtto Frankl ist zum außerordentlichen Professor des Bergrechts an der deutschen Universität in Prag ernannt worden. — Zum Stadtrichter von Lipto-Szent-Wiklos wurde Herr Rechtsanwalt Emil Steiner erwählt. — In Lögrad starb jüngst der von der Gesammtbevölkerung hochgeachtete Kaufmann S. Goldschmied, bei dessen Leichenbegängnis der evangelische Seelsorger die Leichenrede hielt und der katholische Pfarrer die Kirchenglocke läuten ließ. — Frau Eh Kosen in Kndimna (Ungarn) ist im Alter von 103 Jahren gestorben. Dieselbe hat den letzten Versöhnungstag noch betend und fastend in der Synagoge verbracht. Sie hinterlüßt 57 Enkel, Ur- und Urnrenkel. — Am 21. April starb in Wien im hohen Alter der Kaiserliche Rath, Herr Armino Eohn, bis vor anderthalb Jahren Präsident der israelitischen Kultusgemeinde daselbst. Die Familie stammt aus Italien und befaßte sich hauptsächlich mit dem Seidenhandel. Armino Cohn hatte zahlreiche Ehrenstellen inne. Er war Direktor der Oesterreichisch-ungarischen Bank, Censor der Sparkasse. Der Wohlthätigkeitssinn Armino Cohns war in Wien allbekannt, und wo es galt, ein gutes Werk zu schaffen, >var Herr Cohn einer der eifrigsten Förderer. Der Heimgegangene, der sich uni die Kultusgemeinde viele Verdienste erworben, galt als ein vielfeitig gebildeter Mann, der auch stets ein lebhaftes Interesse für litterarische Bestrebungen hatte. — Man berichtet uns aus Ungarn: In der Sitzung des Ausschusses der Pester isr. Gemeinde am 9. April wurde auf Antrag Paul Tencer's beschlossen, dem Prediger Dr. Samuel Kohn anläßlich seines ini nächsten Monat abzuhaltenden 25jährigen Jubiläums für seine patriotische und taktvolle Wirksamkeit Dank und Anerkennung zu votiren, ferner an den Pester isr. Wohlthätigkeits-Franenvcrein anläßlich der am 11. Mai stattfindenden 25. Jahres-Generalversammlnng eine Glückwunschadresse zu richten. Präsident Herr Moriz Wahrmann erklärte, der Ausschuß werde in beiden Angelegenheiten das Nöthige verfügen. — Einem Ungar Namens Samuel Zärai gegenüber, der vor Kurzem Turin besuchte, machte Ludwig Kossuth einige bemerkenswerte Aeußerungen über den Antisemitisnius. Er sagte unter Anderem, daß man in Italien eine sogenannte Judenfrage nicht kenne; ja in Italien gebe es überhaupt keinen Unterschied zwischen Inden und Christen. Den Grund dieser Erscheinung findet Kossuth darin, daß die italienischen Christen auf kommerziellem Gebiete mit den Inden mindestens auf gleichem Niveau stehen, während z. B. in Ungarn das Uebergewicht der Jude» im Handel, namentlich unter den heutigen sozialen Verhältnissen, geeignet ist, in den unteren Volksschichten böses Blut zu niachen. Der Antisemitismus sei eine soziale Krankheit, von welcher ein Land nicht durch die Verfolgung der Juden, sondern nur durch die Besserung der sozialen Verhältnisse geheilt werden könne. — Herr Rabbiner Dr. Enro in Pilsen wurde zum Prediger der israelitischen Kultusgenieiude in Lemberg erwählt. — In Narmezö wurde Herr I. W. Paneth zum Rabbiner erwählt und in Uentra nach langem Kampf der Kandidat der Fortschrittspartei Herr Dr. Josef Kosenfeld. — In der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" hielt jüngst Herr Professor Dr. Jonathan Wolf einen Vortrag über: „Ein Blick in das Brich der Weisheit". — Man schreibt uns: Herr Dr. S. von David in Wie» ist zum Sektions-Chef, Herr Dr. E. Lind zum Ministerial-Rat im Kultusministerium ernannt worden. —