Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 136 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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136 wie das Dasein Gottes bleibt es. Ihm wird fürder kein Haar gekrümmt. In Gottessinn hat er die große That vollendet!"*) Auch flir unser Geschlecht kann das Wort von Saul und Jonathan erweckend tönen. Der Kampf der Geister tobt an manchen Orten noch gewaltig. Dort haben die Söhne unseres Glanbens noch immer unsere Lehre, die Gesittung unserer Genossenschaft, die Reinheit unseres Schrifttums zu verteidigen und zu verfechten. Gegen die Verunglimpfung und die Verläumdung, gegen den Neid und die Scheelsucht schwingt die jüdische Gemeinde und die jüdische Wissenschaft die Waffe des Geistes und der Wahrheit. Saul und Jonathan, die heldenhaften Retter, sind ein glänzend Vorbild. In ihrem Zuge eilten sie dahin mit dem Flug des Adlers, des Leuen Kraft bewährten sie im Streit für Volk und Glauben.2) Die Säuten des israelitischen Wetigionsgebäudes. Ein Vortrag von Dr. M. H. F r i e d l ä n d e r. (Fortsetzung). III. Die Wohlthätigkeit. Die dritte Säule, auf der das Judentum beruht, heißt Wohlthätigkeit, Humanität. Die Humanität bildet gleichsam den Hauptzweck der ganzen Religion. Das Judentum ist eine Religion der thätigen Liebe, seine letzten Ziele können nur durch die Humanität erreicht werde». Lehre und Gottesdienst sind die Mittel, durch die dieser erhabene Zweck erreicht werden soll. Durch gründliche Kenntnis der Religion wie durch das andachtsvolle Gebet wird der Mensch angeregt, angeeifert und angespornt, wohlthätig im Kreise der menschlichen Gesellschaft zu wirken. Erkenne den Ewigen, deinen Vater,, ruft das Judentum seinen Bekennern auch diesbezüglich zu; dringe ein in den Geist der Lehre und du wirst die Ueberzeugung gewinnen, daß nicht blos die Humanitären Satzungen wie: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", „hasse nicht deinen Bruder in deinem Herzen"; „Liebet die Fremden, denn Fremde wäret ihr in Egypten"; Wenn dein Bruder neben dir abkömmt, durch harte Schicksalsschläge seines Vermögens verlustig wird, so greife ihm unter die Arme, unterstütze ihn kräftigst, damit er sich wieder aufraffe, gleichviel ob er ein Glaubensgenosse oder ein Fremder ist, sondern auch die rein religiösen Vorschriften humanitäre Zwecke verfolgen. Durch die Beobachtung der Sabbate und anderer Feste soll der Mensch erinnert werden, daß er ein höheres, im Ebenbilde Gottes geschaffenes Wesen sei, daß er sich nicht zur willenlosen Maschine herabwiirdigen lasse, daß er nicht ein Sklave anderer Leute, ein Sklave der Arbeit, der Genußsucht werde, daß er sich vielmehr Zeit, Ruhe und Muße gönne, um sich vergeistigen, veredeln zu können; durch die Beobachtung anderer religiösen Vorschriften soll er ermähnt werden, daß er im Genießen der irdischen Freuden Maß halte. „Beobachtet meine Gesetze und meine Rechte, durch die der Mensch, wenn er sie ausübet, das Leben erhält, ich der Ewige". Dringe ein in den Geist der Lehre und du wirst die Ueberzeugung gewinne», daß viele Vorschriften derselben den Zweck habe», den Israeliten zu erinnern, daß er sich seiner hohen Aufgabe als Mensch hiermit noch nicht auf die -) I. Sam. 14. 45. II. Sam. 1. 23.