Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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135 Sauls" schrieb. Wenn „Joseph Troplowitz", ein Schlesier, der damals in den Mauern Prags lebte, und km Sohne Kisch' seine Hgrfe weihte, sich auch im Ganzen den Erzählungen der Bibel anschließt, so stellt er doch die Gemütsstimmung Sauls, der sich einerseits der Sunde bewußt ist und doch hoffen und vertrauen mochte, in den Vordergrund. Die Wahnsinnsscenen sind ergreifend. Auch die Ausmalungen sind stilvoll. Alle Glieder der Familie Sauls greifen ein. Auch in Bellehem, im Hause Jsais spielen sich unter den Geschwistern David's anregende Scenen ab. Nur in der Tragödie „König Saul" des deutschen Dichters Herrmauu Holty's 5) fanden wir ähnliche Ausführungen. Troplowitz Werk gab an der Neige des vorigen Jahrhunderts den Beweis, l>aß an dem Baume der alten Sprache noch die herrlichste Blüte glühen, die schönste Frucht der Dichtung reifen kann. Denn in „Meluchat Schaul" stellt sich sowohl der Dialog als auch der Chor der Propheten den besten Sauldichtungen ebenbürtig an die Seite. Dies sind die letzten Worte Sauls, der dem Tod entgegenstrebt. „Feinde! Nimmer soll mich eure Waffe aus dem Dasein drängen! Himmel, o umnachte mir das Leben, und des Sterbens Mut, Gieß mir in die Seele! Komm, ein teurer Freund mir, grauser Tod, Rasch umarmend nimm' mich ans! Ich hauch' dir meinen Geist entgegen. Knappe, nimm das Heldenschwert, ins Herz mir treff' den Stoß! Ehr' den Ruf, der lohnend eines Lebens reiche Treue schließt. — Kraftvoll führe deinen Arm, du dienst km Herrn zum letzten Male." Als der Knappe zögert, endet Saul die Rede: Tritt zurück! Bist nicht der Mann, die große That mit mir zu teilen! — Künd' es meinem Volke, sag's den Stämmen, wie der König fiel, Ihn faßt nicht der Feind, treu sank er hin, vom eignen Stahl getroffen." Nicht nur die hebräische Dichtung der Neuzeit hat sich, wie die Sage in den Tagen des Midrasch dem alten Helden der Vorzeit, dem ersten Könige Israels'zugewendet, auch die Synagoge hat seinem Hause ein freundliches Andenken bewahrt. An dem festlichen Sabbat, an welchem der alte Streit Amaleks in Erinnerung kommt, werden der Gemeinde die Heldenthaten Sauls vorgetragen und verkündet. Und so oft der Mond mit dem Ausgange des Ruhetages wechselt, liest man in der Versammlung von der wunderbaren Freundschaft Jonathans, des edlen Kvnigsohnes. Am Abende nach jedem Sabbat aber rüsten sich die Söhne unseres Glaubens zu neuem, ernsten Streben. Und sie rufen herab des Himmels Segen zu den Mühen, sie erbeten von dem Himmel Kraft zu den schweren Kämpfen. Zur Stärkung des Mutes und des Höffens in dem Herzen lesen sie Verse aus den heiligen Schriften, welche Heil, Gedeihen, Kraft rurd Math und Sieg verkünden. Da wird stets der kühnen Streiter gedacht, Sauls und Jonathans. Als großes Beispiel, wie der beherzte Mann, der für seinen Stamm uud für seinen Glauben ringt, die Liebe seines Volkes gewinnt, wird die Geschichte des streitenden Jünglings vor die Seele geführt. Er brach den rasch hingesprochenen Eid des Vaters, er klomm aber heldenmütig hinan den Felsenberg zu Michmas. Das Volk aber sprach zu Saul: „Die große That der Rettung für Israel hat er ausgefiihrt! Ferne halte sich jede Strafe. Fest 5) König Saul, Tragödie in 5 Aufzügen v. Hermann Holty. Hannover bei Carl Nümpler, 1865.