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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-08-01 · Heft 6 (1.8.1891) · p. Seite 134

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 6 (1.8.1891)
Date
1891-08-01
Page
Seite 134 (sequence 14)
Language
German
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134 Samuel, der das Haus Saul's verwirft, gründet zur Befestigung des Glaubens die Prophetenschule und wählt den neuen Fürsten. Er spricht also zu dein Priester, der ihn begleitet: Ein Bollwerk will ich gründen, das ihn halte! Ihr helft es bauen, darum rief ich euch. Ich will der Erde eine Sonne schaffen, Vereinen alle starken, jungen Geister, Und nieine Schule für Prophetenherzen Soll grünen unter meines Auges Kraft, Des Irrtums und des Feindes Anlauf Mit ungebeugtem Arm zurückzuschlagen. Dem David auch sei sie ein Schirm, der ihn Vor'm Feind und vor sich selber wachsain hüte; .... Zeiten kommen, welche alles eben Und glatt gestalten, auf daß jeder leicht begreife. Kein Abgrund wohnt in einer Seele mehr, In des Gehirns Behausung keine Hoheit, Denn arm und kahl ist jegliche Geburt. Aushalten will ich einen Augenblick Noch diese Zeit und spüren soll die Welt, Es Hab' ein Mann gelebt zu meinen Zeiten.') Auch Dichter geringeren Namens bearbeiteten die Lebensgeschichte Saul's. Die Bibliothek des deutschen Theaters in Berlin gab uns Stücke derselben zur Ansicht, die zur Aufführung eingereicht, aber nicht angenommen wurden. Andere Bühnen mögen ähnliche Schriften in Verwahrung habend) — Daß Saul den herrlichsten Stoff für die kunstvolle Bearbeitung bildet, beweist der Triumph, welchen die Darstellung dieses großen Lebensgeschickes in der Musik errang. Wer je den Klängen des großen Oratoriums Händel's „Saul" lauschte, der war nicht nur von der wunderbaren Macht dieser Musik ergriffen, welche durch Verherrlichung des Schmerzes den Schmerz lindert, er wird auch dem Ausspruche Chorysanders beistimmen, welcher sagt: „Alles, was von einem echten Geschichtswerke verlangt wird, erfüllt dieses Oratorium im höchsten Maße, da es den geschichtlichen Vorwurf treu in seinen erhabensten Zügen wiederspiegelt. Händel's Vorgang fand Nachahmung. Auch Kuffner schrieb ein Oratorium. Die Travestie wagte sich an das Große heran. Seyfried * * 3) schrieb ein tragikomisches „Saul, König in Israel" freilich nach dem Vorgänge Voltaires. Die alte Sprache der Hebräer aber, in ihrem hohen Ernste, in dem heiligen Zuge, mit dem sie das Große und Edle wahrt, hat auch in der Dichtung des ersten Königs in Israel nicht vergessen. Als am Ende des vorigen Jahrhunderts die Schüler Mendelssohns die hebräische Sprache liebend pflegten, ging aus der Schule „der Sammler", ein Dichter hervor, der in blühendem Style ein hebräisches Drama „Die Regierung*) ‘) Akt II, Scene 3. *) Vgl. Saul, Tragödie v. C. A. Grube, Wien 1820 bei Beck und Saul Tragödie in 5 Auszügen v. N- N. Celle, Grobbeeren 1881. Als Manuscript gedruckt. 3) Wien. Wallishausen 1811. Siehe Saul Tragödie tire de Tecriture sainte Mr. de Voltaire. *) Meluchat Schaul. Wien 1794.

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