Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969782-2969788--3243-2973143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
133 Stern des binjaminetischen Hauses erblassen könnte. An effektvollen Scenen fehlt es nicht. Vor dem Eingänge des Tempels zn Rama, wo Saul den David sucht, kommt es zum Kampfe zwischen den Priestern und der Truppe des Königs. Achimelech, der Oberpriester fällt. Das Geklirr der Waffen aber wird von dem Rufe übertönt: „Es starb Samuel, der Prophet." — Die Zauberin verkündet Zeichen. Wenn diese sich erfüllen, endet Sauls Königsmacht. Bis auf das letzte treffen alle ein. Saul wirft sich vor Samuel im Staube hin- In En- Dor vor dem Geiste des Propheten sinkt er zusammen. Da überraschen ihn die Feinde und er eilt zum Tode. In Herrmann Kettes Trauerspiel,* *) das König Sauls Namen trägt, geht alles ganz natürlich zu. Es erscheint kein Geist. Gelungen sind die Scenen in welcher sich die Liebe Michals zu David, später die edle, rücksichtsvolle Form kundgibt, in welcher Palti der ihm zugewiesenen Gattin Davids nahetritt. Einen Knotenpunkt der Handlung bildet der Umstand, daß David dem Jonathan zu spät die Mitteilung macht, er sei von Samuel zum Könige gesalbt. — In Fischers Bearbeitung des Saul2) ist nur zu bedauern, daß das Drama über das Leben Sauls hinausgeht. Die Alten haben wohlweislich die epische Erzählung mit dem Tode Sauls enden lassen, indem sie mit demselben das erste Buch Samuels abgeschlossen. Sonst ist das Werk ein vortreffliches zu nennen. Die Auffassung Fischers von den Grundsätzen, welche hier Samuel, dort Saul vertritt, sind fern von der Schärfe und dem Hasse, in welchem sie bei Gutzkow hervortreten. Fischer hat, wie in dem ganzen Zuge seines Dramas, auch hier den Geist der Bibel festgehalten. In herrlich ausgeführten Monologen sprechen sich die Gedanken der leitenden Männer aus. Samuel ist kein herrschsüchtiger Priester. Er ist wie Moses, der große Diener der Wahrheit und der Gotteseinheit. Die Aufträge, das Opfer in Gilgal hinzuhalten, und die Beute Amaleks zu bannen, sind Prüfungen, welche der Prophet seinem Könige auferlegt. Saul besteht sie nicht. Aber auch sein Herz bewegt ein hohes Streben. Sein Sinn gibt diesen Worten Raum. Verbannen sollt' ich sie? —nein, Samuel, So konntest du's, so kann's dein Gott nicht meinen; Und könntest du's, ich will es anders halten. Und loben sollst du mich, soll mich das Volk Daß ich nicht that, als wie ein Hordenführer, Der, schrecklich allen Völkern um sich her, Als wie ein Raubtier seine Pfade zeichnet. Ich will ihn größer, meinen Gott! Jehova Sei aller Völker Gott, nicht nur des meinen. Als König unter Königen will ich Ein Beispiel stehn von Kraft und hellem Sinn, Ein neuer Tag soll aufgehn allen Landen Aus meinem Volke, und ich will es selbst Zum zweiten Mal aus seiner Knechtschaft führen. —3) *) König Saul, Trauerspiel in 5 Aufzügen. Berlin, V. Heinrich Schindler, 1860. *) Saul, ein Drama v. I. G. Fischer. Stuttgart. Cotta. 1862. -) Akt II, Scene 2.