Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Dies nach Innen. Und nach Außen müßte die Geschichte des Judentums diesem jene Anerkennung verschaffen, die jedes edle Streben sich früher oder später erringen muß. Wie müßten dieser rühmwenn auch thränenreichen Geschichte gegenüber jene Vorurteile, jene Vorwürfe und Anklagen verstummen, die sich immer wieder von Neuem an die Oberfläche des öffentlichen Lebens drängen! Ja, wie müßte der Geschichte des Judentums gegenüber das Gespenst, das, hohläugig, uns immerfort verfolgt und unseren Frieden immer von Neuem stört, in Nichts zerfließen! Denn die Geschichte des Judentums weist offen und vor aller Welt nach, daß das Judentum, weit davon entfernt, eine kulturfeindliche Institution zu sein, seit seinem Bestehen mitarbeitet an den höchsten, edelsten und heiligsten Kulturaufgaben, deren Lösung der Menschheit obliegt, mit arbeitet an der Ausbreitung der Humanität auf Erden. Die Geschichte des Judentums, in der wir wie in einem Spiegel die Geschichte der Menschheit erblicken, erweist sich uns aber auch als ein untrüglicher Gradmesser, an dem wir zu erkennen verniögen, wie weit Denk- und Gewissensfreiheit, Geistes- und Herzenskultur in der Menschheit oder in einzelnen Völkern zur Herrschaft gelangt sind. Möchte nur Clio, das ist der innige Wunsch, von dem wir erfüllt und getragen sind, bald mit ihrem Griffel einzeichnen dürfen, daß jeder Rest von Glaubens- und Raceuhaß für immer von der Erde geschwunden sei. Das Judentum aber hat seine Bahn noch lange nicht zurückgelegt, den Lauf seines Lebens nicht geendet. Nicht eher endet seine Geschichte, als bis in Erfüllung gegangen das Wort des Propheten, daß Gotteserkenntnis die Erde füllet, wie Wasser das Meer bedecket, und die Menschen in Liebe und Eintracht miteinander leben werden. Verehrte Versammlung! Im Psalmbuche, dieser Sammlung der herrlichsten Lieder aus unseres Volkes Vorzeits lesen wir: „Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wafferbächen, der da Frucht giebt zur rechten Zeit und dessen Blätter nicht welken." Das ist das Bild des Judentums, wie es uns aus seiner ruhmbedeckten, aber auch thränenreichen Geschichte entgegentritt. Mag auch der versengende Strahl des Haffes oft auf unseres Volkes Rücken gebrannt haben, mag der Sturm des Hasses und der Bosheit oft über es dahin gebrauset sein, stolz raget der Baum des Judentums empor, er, ein Segen der Menschheit, spendet Frucht zur rechten Zeit, und seine Blätter welken nicht. König Kaut in Sage und Dichtung. Bortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judentums (Afike Jehuda) in Prag von vr. Joel Müller, Docent für die rabbinischen Wissenschaften an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. (Schluß). Kaum weniger erfinderisch ist Karl Beck. Doch hat sein Trauerspiel „Saul"l) mehr den Seelenzustand des Fürsten im Auge. Der König schwankt zwischen dem freundlichen Zuge seines Gemütes, welches ihn den jungen Sänger lieben heißt, und zwischen der Angst, daß vor dem Glanze dieses Helden der *) Leipzig, L. H. Löhneberg. 1841.