Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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131 Freundeskreise Dantes gehört auch ein,jüdischer Dichter an, der mit sprudelndem Witze begabte Imanne! von Rom. Ja, jener widerwärtige Jargon, der, so vielfach Gegenstand des Spottes, überaus nachteilig ans die Inden gewirkt hat, war während des Mittelalters gänzlich unbekannt, er hat sich erst in der Abgeschlossenheit der Ghettis, in der Unberührtheit vom dentschnalionalen Leben herausgebildet; bis dahin unterschied sich ihre Sprache in nichts von der allgemeinen Sprechweise. Mit den besseren Elementen der Kultur, mit den edleren Bestandteilen alles Wissens und Könnens hat das Judentum — das lehrt uns seine Geschichte — aber auch seinen eigenen Gedankenkreis stets befruchtet, durchtränkt, geschmückt und bereichert. Und darin, verehrte Versammlung, liegt zum nicht geringsten Teile die Erklärung für seine Erhaltung, das Geheimnis seines wunderbaren Bestandes, die Bürgschaft für seine Zukunft. Uralt, ist das Judentum mit der wunderbaren Fähigkeit ansgestattet, immer von Neuem sich zu verjüngen. Es ist eine unverwüstliche, unzerstörbare Lebenskraft, die uns im Judentume entgegentritt und für die allein nur seine Geschichte uns die Erklärung bietet. Denn die Geschichte des Judentums ist nicht minder auch Religionsgeschichte; sie zeigt uns das Judentum in seiner steten, ununterbrochenen Entwickelung. Wenn wir so oft die Gestaltung des religiösen Lebens, die religiösen Formen, um mich eines spinozistischen Allsdrucks zu bedienen, sub specie aeterni unter dem Gesichtspunkte des Jmmerseienden betrachten sehen, wenn so oft das Wort „von jeher" als ein nicht zu besiegendes Hindernis, als eine nicht zu beseitigende Schranke jeder Neugestaltung entgegentritt, so zeigt uns die Geschichte des Judentums dieses, in seinem Wesen unveränderlich, doch in seiner Erscheinungsform in nnnnterbrochenem Flusse, in steter Entwickelung. Denken wir allein nur an den Kultus, an den Gottesdienst, diese wesentlichste Form, in der die Religion in die Erscheinung tritt. Welche Entwickelung tritt uns da entgegen vom Opferdienste bis zur gegenwärtigen Gestaltung des jüdischen Kultus. Ja, wie manche religiöse Institution, wie mancher hochangesehene synagogale Brauch ist selbst ans fremden Kreisen in die Synagoge verpflanzt worden! Ich denke hierbei nicht nur an die moderne Predigt, die Konfirmation» den geregelten Gesang, mir schwebt hierbei die Bar-Mizwah-Feier vor, die Seelenfeier, die synagogale Trauung, der Blumen- und Blätterschmuck, in den sich die Synagoge am Schabuothfeste hüllt. Denn im Judentum, das lehrt uns seine Geschichte, galt nicht allein zur Zeit Moses und Jethros, sondern zu allen Zeiten der Grundsatz, das Gute und Nachahmenswerte, wo es gefunden wird, willig anfznnehmen, wenn nur das Wesen und die Grundlagen des Judentums hierdurch nicht angetastet werden. Aber sollten wir der Geschichte des Judentums nicht auch eine, ich möchte sagen, erzieherische Bedeutung zuerkennen'? Sollte nicht in ihr die Kraft liegen, die Gleichgiltigen unter uns zu erwecken, die Kalten zu erwärmen, die Schwachen zu stärken, das heilige Feuer der Liebe, der Treue, der Anhänglichkeit an das Judentum in den Herzen Aller zu entzünden? Denn wer vermöchte wohl so vielen Glaubensmut und Glaubenstrene, so viele Begeisterung in zahllosen Gestalten vor sich zu schauen, wie sie die Geschichte des Judentums uns vor Augen stellt und bliebe hiervon gänzlich unberührt! Und lute sollte es uns nicht mit Mut erfüllen, wenn ivir das Judentum aus allen Gefahren und Nöten ja aus allen Kämpfen siegreich, mit ungeschwächter Kraft hervorgehen sehen!