Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (1.8.1891)
- Date
- 1891-08-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 mit unseren Heiligtümern umgehe, daß nicht mehr die Laune und Einbildung Unberufener da maßgebend und ausschlaggebend werde, wo es sich um die Pflege unserer heiligsten Lebensgüter, uni die Erhaltung unserer kostbaren Geistesschütze handelt. Wer sich berufen fühlt, lege Hand an das Werk. Auch wir können das unsere dazu thun, wenn wir mit Wissen ausgerüstet, mit Mut beseelt, von heiliger Begeisterung erfüllt herantreten, um das verfallene Heiligtum Israels wieder aufzurichten, es aufznbanen in den Herzen unserer Jugend, es aufznbanen in dem Leben unserer Gemeinden in Wissenschaft, Gottesdienst und Leben. Laßt uns nicht säumen, die Zeit drängt und bald ist es zu spät! Kintettende Ideen zur Geschichte der Juden und des Judentums. Vortrag, gehalten am 27. Januar 1891 im jüdischen Litteratur-Verein zu Bochum von Di-. M. Silberstein, Stadt- und Bezirksrabbiner in Wiesbaden. (Schluß) Ja, verehrte Versammlung, wenn jemals an einem Buche, so hat sich am Talmud das Wort bestätigt: habent sua fata libelli. Auch Bücher haben ihre Schicksale. Bücher ließen sich in der That über die Schicksale dieses einen Buches schreiben. Aber in einer solchen Geschichte des Talmuds dürfte auch der Einfluß nicht verschwiegen werden, den dieses Buch auf die Inden selbst geübt, wie es ihr Denken geweckt, ihren Geist geschärft, die Liebe zur Wissenschaft in ihnen rege erhalten, daß sie unter der schmachvollen, entwürdigenden Behandlung, die Rohheit und Glaubenshaß ihnen bereitete, nicht zur vertierten Horde herabsanken, sondern, daß sie, als die Schranken, die die Unduldsamkeit für sie aufgerichtet, niedersanken, hinaus auf die Arena zu treten vermochten, um auch ihren Anteil zu nehmen an dem geistigen Ringen und Kämpfen der Nation, an allen edlen Bestrebungen auf dem Gebiete der Wissenschaft und der Kunst, des Handels und der Industrie. Doch wir kehren zu unserer Aufgabe zurück, den Einfluß darzulegen, den die Juden auch ferner auf den Gang der menschheitlichen Entwickelung geübt haben. Wir stehen auf unserem Gange durch die Zeiten am Ende des Mittelalters. Haben wir doch schon einen der weithin leuchtenden Namen zu nennen Gelegenheit gehabt, dessen Träger das finstere Mittelalter hat begraben und eine neue Zeit hat heraufführen helfen: Johannes Reuchlin. Ja, es regen sich die Schwingen einer neuen Zeit, in den Köpfen fängt es an zu tagen, in den Geistern wird es hell und wie stets, wenn ein neues, frisches Geistesleben sich zu regen beginnt, die neu gewonnenen Erkenntnisse auf dem Gebiete der Religion ihren Einfluß zu üben beginnen, so sehen wir auch hier als eine mächtige, gewaltige That das großartige Werk der Reformation vor uns, jenes Werk, das Kaulbachs unvergleichlicher Pinsel in so meisterhafter Weise zu verherrlichen verstanden hat, jenes Werk, das die Welt gleichsam aus ihren Angeln zn heben schien. Auch bei diesen! Werke, das nun freilich weit hinter dem, was es versprach, zurückgeblieben, ist jüdischer Einfluß nachweisbar.