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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-08-01 · Heft 6 (1.8.1891) · p. Seite 125

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 6 (1.8.1891)
Date
1891-08-01
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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125 kein Verständnis, es stoßen oft die edelsten Bestrebungen auf unempfindliche Gleichgültigkeit, auf thörichten Hohn, auf heftigen Widerspruch, der nur in Beschränktheit und Enge der Anschauung seinen Ursprung hat.' Wäre es aber nicht eine Beleidigung der Wahrheit, die doppelt verächtlich ist, wenn sie von denen ausgeht, die die Wahrheit lehren und vertreten sollen, wenn man darum seine bessere Ueberzengung würde wegwersen, wenn man da seine richtige Ansicht wollte preisgeben, verleugnen und fallen lassen. Wer da lehren will, der muß auch den Mut zu lehren besitzen, der darf nicht wanken, wenn Abfall und Entfremdung alle seine Hoffnungen zerstören. Siehe du sollst von dem Tage an, an dem du als Lehrer hintrittst vor das Volk, dastehen als eine unüberwindliche Festung, als eine granitne Säule, als eine eherne Mauer und nicht fürchten die Ungunst, die das Volk dir entgegentragen wird, wenn du ihm nicht schmeichelst, wenn du die Wahrheit, so wie sie ist, ihm vor Augen stellst. Mit diesen Worten wurde Jeremia in sein Prophetenamt eingeführt und in diesem Sinne ertrug er mutig alle Ankämpfungen die er erlitt durch des Volkes Groll und Unmut. Der Lehrer der Wahrheit, der den Mut der Wahrheit besitzt, der kann entwaffnet, aber nicht besiegt, der kann verlassen, aber nicht wiederlegt werden. Laut und offen verkünde er seine Lehre; der Wahrheit gehört endlich der Sieg und die Herrschaft. Den Beruf zum Lehren fühlte Bezalel in sich. Es war nicht das Wissen allein, das ihn hierzu befähigte, es war nicht die richtige Einsicht allein, die ihm hierzu den Mut verlieh, es war noch ein drittes da, durch welches dieses Verlangen stets von Neuem in ihm geweckt und genährt wurde, es war dies die Kenntniß der Ziele, die anzustreben und zu erreichen er als heilige Lebenspflicht ansah, das volle Verständniß der Aufgabe, in deren Dienst er sich gestellt und an deren Erfüllung er arbeitete. Wer in sich selbst sich nicht klar ist über das, was er will, der kann um so weniger andere darüber belehren, wer nicht selbst erfüllt ist von klarem Verständniß und von edler Begeisterung für die Sache, deren Förderung er sich zutraut, der ist, mag er noch so viel Wissen besitzen, seiner Aufgabe nicht gewachsen und die Belehrung, die von ihm ausgeht, wird doch nur inhaltslos sein und wirkungslos bleiben. Kommt es denn nicht auch vor, daß diejenigen, die Wissen gesammelt und Sachkenntnis sich angeeignet, doch keinen Gebrauch davon zu machen verstehen, ja dies geradezu mißbrauchen, um das Volk irrezuführen und es über das, was ihm not thut, im Dunkeln zu lassen, völlig zu schweigen von denen, die wissentlich ihre bessere Ueberzeugung verleugnen, die sich in den thörichten Wahn der auf niedriger Stufe der Erkenntnis Stehenden hineinleben, um da einen Boden der Thätigkeit zu finden, den sie sonst vergebens gesucht, um da einen Wirkungskreis sich zu schaffen, den sie sonst nirgendswo erreicht hätten. O mein Volk, ruft der Prophet dem tiefgesunkenen Israel zu, diejenigen, die sich als Führer an deine Spitze stellen, das sind deine Verführer, die versperren dir deu Weg, auf dem du Heil findest und leiten dich auf Pfade, die nur zum Verderben führen. Ja daruin, daß diejenigen, welche am wenigsten wissen, am nieisten das Wort führen und daß diejenigen, denen die Lehre des Judentums etwas ganz Nebensächliches ist, zu seinen Sachwaltern und Stimmführern sich aufwerfen, liegt das Uebel an dem Israel krankt und von dem es me gesunden und genesen wird, insolange es diesen Verkehrtheiten huldigen, diese Verwahrlosung pflegen wird. Wahrlich! es ist endlich Zeit, daß wir uns aufraffen. daß wir das alte Unwesen, das in unserer Mitte besteht, beseitigen. Es ist Zeit, daß nicht mehr jeder nach seinem Gutdünken mit unserer Lehre schalte,

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