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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-08-01 · Heft 6 (1.8.1891) · p. Seite 124

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 6 (1.8.1891)
Date
1891-08-01
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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124 er hierzu besaß, durch sein eigenes Wissen, durch die reichen Kenntnisse, die er sich erworben, durch die vielen Erfahrungen, die er gesammelt, durch die geistige Kraft, mit der er sich ausgerüstet hatte. Er, der Meister war in seinem Fache, der konnte auch darin ein Lehrer für andere werden, der war allein dazu berufen, hierin zu richten und zu urteilen, hierin Rat zu schaffen, Bescheid zu geben, Ansichten geltend zu machen und Vorschriften aufzustellen, deren Ausführung das Werk zu gedeihlicher Vollendung emporbringeu konnte. Worauf es also, da wo einer durchaus andere belehren möchte, zunächst ankommt, ist dies, daß er auch die Fähigkeit hierzu in sich vereine, daß er dazu nicht blos den Willen, sondern auch das Wissen besitze, ohne welches jener anmaßlich und unberechtigt ist. Und für die Beurteilung dieser Fähigkeit reicht wiederum die Meinung der Unkundigen nicht aus, die auf nichts als auf die Einbildung, wo nicht gar nur auf die Willkür sich stiitzt, es muß hierfür ein sicherer und untrüglicher Maßstab bestehen, den freilich nur diejenigen besitzen, die selbst einsichtsvoll und sachkundig sind. Nicht euere Gunst, nicht euere Zuneigung ist es, ruft Moses den Israeliten zu, die da den Ausschlag giebt, die da entscheidet, wem das heilige Werk zu übertragen sei, sondern Bezalel ist hierzu berufen, ist dazu geschaffen, er ist gleichsam von dem Ewigen dazu bestimmt und erkoren, er ist der Mann, der dazu den Beruf in sich selber trägt. Sollte nicht auch hierin eine lehrreiche Mahnung uns gegeben sein, die oft nur zu wenig beherzigt wird. Ist es nicht j gerade in Israel in neuerer Zeit gar oft vorgekoinmen, daß die Männer des * Wissens, die Träger der Gelehrsamkeit, die wahren Vertreter des Judentums, i die es fördern und zu Ehren bringen, uugekannt und unbeachtet blieben, daß f Armut und Elend der Lohn ihrer Verdienste wurden, währenddem Menschen hervorgesucht und ausgezeichnet wurden, die vor aller Welt es entwürdigen, die mit unserer geheiligten Lehre ein frevelhaftes Spiel treiben, die den Geist echter Wissenschaft aus Israel verbannen und dafiir den Wahn und die Heuchelei auf den Thron zu heben suchen? Ja, es ist so und von diesem Vorwurfe ist das ' Israel unserer Zeit nicht frei zu sprechen, auch wenn es seine Last nicht fühlt und, um seine Stimme nicht zu hören, Geräusch macht mit Dingen, deren Bestand wertlos, wenn nicht gar schädlich ist. Von dem Verlangen zu lehren war Bezalel beseelt und auch der Beruf zu lehren war ihm verliehen durch seine Einsicht, die ihn auch da nicht verließ, wo andere mit Ueberdruß von dem heiligen Werke sich abwendeten und gegen dasselbe gleichgültig wurden. Das sind nicht die Männer, die des Berufes zu lehren, würdig sind, die nicht auch die Standhaftigkeit besitzen, bei ihren klaren und wahren Überzeugungen auch da zu beharren, wo sie von aller Hilfe sich verlassen sehen, die da fahnenflüchtig werden, wenn es gilt, allein einzustehen für das Recht und die Wahrheit. Bezalel wollte lehren, wollte verstanden werden. Nur das ist oft eben das Los geistig hochstehender Männer, daß sie von. der Menge nicht verstanden werden, daß ihre Zeitgenossen für ihr Thun und Wirken gar keinen Sinn haben und haben wollen, daß ihre besten Bemühungen und redlichsten Anstrengungen erfolglos bleiben und erst späte Geschlechter das als recht erkennen und anerkennen, was sie zu ihrer Zeit und für ihre Zeit haben gewollt und angestrebt. Hast du nicht schon Männer gesehen, tüchtig in ihrem Fache, groß in ihrem Sinnen und Thun, die vor Königen geehrt sind, die vor einsichtsvollen Männern in Ehren dasteheu und die doch bei dem niederen Volke keinen Anklang finden, vor dem verblendeten Haufen, der in Finsterniß dahinwandelt, verhöhnt und verspottet werden? Es finden oft die besten Gedanken

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