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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-08-01 · Heft 6 (1.8.1891) · p. Seite 123

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 6 (1.8.1891)
Date
1891-08-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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123 öffnen und die Richtung vorzuzeichnen, die zu wahrer Vollendung fuhrt, das ist gewiß heilige Pflicht der Männer, die durch ihre Gelehrsamkeit hierzu befähigt find, aber es ist das auch ihr heiliges und unantastbares Recht, das nicht an Unberufene verschleudert, das nicht verhöhnt und verletzt werden darf, so nicht das Wirken jener Männer soll lahmgelegt und fruchtlos gemacht und das Feld geöffnet werden für Fälscher aller Art, denen es nur um das Ansehen ihrer Person zu thun ist, nicht um die heilige Sache, in deren Dienst zu stehen, sie vorgeben. Das Lehren betrachtete Bezalel als seine Aufgabe, als sein Recht, und warum betrachtete er es als dies? Weil er und kein anderer war hierzu berufen, hierzu gleichsam von Gott war bestimmt und erwählt, und wie konnte er dies beweisen,' warum war er zur Ausführung des heiligen Werkes berufen? Weil es allen Männern der Wahrheit offenkundig war, daß er erfüllt ist von dem Geiste des Göttlichen, das ist nicht von jener unseligen Verblendung, die das Licht scheut und daher in finstere Leidenschaft sich versenkt, die das Wissen scheut und fürchtet und daher mit der» pöbelhaften Wahne ihren Bund schließt, sondern von Weisheit, Einsicht, Gelehrsamkeit und allerlei Erfahrung. Nein! Das Lehren ist nicht jedermanns Sache und nicht jedem steht es zu, ohne Weiteres in Sachen der Religion und des geistigen und gottesdienstlichen Lebens maßgebend sein zu wollen. Wer ist in Israel dazu berufen zu lehren und zu urteilen, dem Volke den Weg zu zeigen, auf dem es wandeln, die Richtung vorzuzeichnen, auf der es fortschreiten soll? Wahrheit, Einsicht und Kenntnis, in diesen drei Worten, die wir uns klar machen wollen, sind die Bedingungen ausgesprochen, die hierzu erfüllt werden müssen, die Voraussetzungen, welche allein die Fähigkeit und das Recht des Lehrens begründen. So viel wird wohl Jedem klär und deutlich sein, daß der bloße Wille zu lehren bei weitem noch nicht das Recht dazu verleiht, die Berufenheit hierzu ausmacht. Es lag in dem Herzen Bezalels das Verlangen, andere zu unterweisen, anderen zu zeigen, wie sie gleich ihm dem guten Werke dienen, dem ganzen Volke sich nützlich machen Es ist nicht anzunehmen, daß er mit diesem Verlangen allein dastand und daß, als es sich um die Errichtung des göttlichen Heiligtums handelte, nicht noch gar viele da waren, die ebenso wie er zeigen wollten, wie das Werk am Besten zu machen sei, die da angeben und vorschreiben wollten, >vas alles herbeigeschafft und verfertigt werden mußte, daß das zu errichtende Stiftszelt seiner Bestimmung eine Stätte der Verehrung für das allerhöchste Wesen zu sein, würdig erscheine. Handelte es sich ja hier um eine Art von Bau, und davon glaubte doch gewiß jedermann etwas zu verstehen. Ist ja jeder Sohn Israels so zu sagen, ein geborener Baumeister, ein Tausendkünstler, der in allerhand Dingen Urteil und Verständnis besitzt, der den Sachkundigen etwas zu sagen weiß, was sie selber nicht wissen. Und dennoch wurde hier diesem Verlangen der Unwissenden, andere belehren zu wollen, in keiner Weise Rechnung getragen und so ein für allemal die einfache Wahrheit zur Geltung gebracht, daß, wer lehren will, erst selber gelernt haben muß und es nichts weiter als maßlose Einbildung und vordringliche Anmaßung ist, wenn in Dingen, zu deren Behandlung tiefes Verständnis und gründliche Einsicht gehört, man auch ohne diese Eigenschaften Urteile abgeben und Vorschriften machen will. Bezalel wollte lehren und warum wollte er lehren? Weil er dazu berufen war, und wieso war er dazu berufen? Zunächst durch die Fähigkeit, die 11*

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