Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1891)
- Date
- 1891-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Geschick darstellt, reiht meist die Begebenheiten, welche das Geschichtsbuch erzählt, aneinander, indem es sie zu begründen und auszugestalten sucht. In Rückerts Drama „Saul und David"') ist das Vorspiel das Bedeutsamste. Erinnerungen an die alte Herrlichkeit von Silo, an die Blüte und den Fall des Hauses Eli, Bilder aus dem Richterleben Samuels füllen den ersten Akt desselben aus. Im zweiten Aufzuge wird Saul zum Könige gewählt. Der Prophet gibt Rechenschaft von seinem Richteramt. Saul bietet die Stämme Israels auf, um Jabes Gilead zu retten. Der dritte Akt führt uns über den Jordan. Jabes teilt sich in Furcht und Hoffnung. Saul erscheint im Siegerschritt. Triumphirend zieht er ein in die befreite Stadt. In dieser schallet der Gesang: Machet höher eure Thore, Denn der König ziehet ein. Holt ihn ein mit Feierchore, Kränzet ihn mit Jubelreih'n. Ist in deni Hanptstücke des Rückertschen Werkes, in welchem Psalmen und Verse der Schrift eingestreut sind, das ganze Leben Sauls aufgerollt, so erscheint in Gutzkows „König Saul") eine große Frage und ein Moment künstlerisch ausgeprägt, der Kampf des altjüdischen Priestertums mit der neuerstehenden Königsherrschaft. Die Streiter stehen sich rauh, hart und unversöhnlich gegenüber. Gutzkow treibt den Kampf, den er uns vorführt und in welchem David auf Seite der Priester zu finden ist, so sehr auf die Spitze, daß er den Geist Samuels, der, schon von der Wahrsagerin geweckt wurde, ein zweitesmal austreten läßt, um David zu verkünden, daß sich der Prophet auch durch die Regierung des Sohnes Jsai nicht beruhigt weiß. Auch sonst ist das Stück nicht arm an Bühneukünsten. Man verlangt von Achis die Auslieferung Davids. Des Philisterköiiigs Tochter rettet den jüdischen Helden, den sie liebt, in Männerkleidern zieht sie als Bote zu Samuel. Sie erschlägt ihren jungen Gatten, um David zu folgen und ihm die Truppen zurückzuführen. Dieser besiegt die Israeliten, lvendet sich dann aber gegen die Philister und ist als König unabhängig. (Schluß folgt). Aas Wildnis Wosts von Prof. Dr. Lauth. In einem Blatte in München wllrde neulich unter der Ueberschrift „Geistvolle Untersuchlingen" unter Anderem auch die Frage erörtert, ob Moses eine» Bart gehabt „den Gott selbst geboteil hätte, weil nach der Schrift Propheten und Priester keine Platte auf den Kopf machen, noch auch ihre Bärte scheren durften." Mit Bezug darauf schreibt Herr Prof. Dr. Lauth: Der Verfasser dieser Notiz scheint die Angelegenheit ins Spaßhafte ziehen zu wollen» nach der Melodie „sich um des Kaisers Bart streiten." Allein die Sache selbst hat ihren sehr ernsthaften Hintergrund und spitzt sich in die Frage zu: Besitzen wir von *) Erlangen, C. Heyder. 1843. *) Hamburg, Hoffmann und Campe. 1839.