Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1891)
- Date
- 1891-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 weis seiner Unschuld zeigt er das Mantelstück, das er einst vom Gewände des Königs löste. Die Helden sind versöhnt. Der Plan znr Entscheidungsschlacht wird entworfen. Abner, der Feldherr, furchtet, daß sein Ruhm unter dein Glanze der Waffenthaten Davids leiden könnte. Er streut Zweifel in des Königs Seele. Dieser bemerkt, daß das Schwert, welches die Seite Davids ziert, nicht die Waffe sei, die er dem jungen Streiter gab. David gesteht, daß er das Schwert Goliats angelegt habe, welches ihm in Nob der Priester gab. Um den bösen Geist zn bannen, der nun abermals die Seele Sauls uninachtet, erprobt man das alte Mittel. David singt ein Lied. Als aber der Sänger in poetischer Heldenverzückung den Sieg besingt, den Saul, den er an der Seite des Königs erringt und sein Lied mit den Worten ausklingt: „Fern folgend treib zu Paaren, „Ich der Philister Schaaren, „Zerstampf', zernichte sie und zeige Allen, „Daß unserer Schwerter zwei dem Herrn gefallen." ’) Da jagt die Wnth des Königs wild empor. Er dringt mit dem Speer ans David ein, Michal birgt ihn vor dem Zorn des Vaters. David fehlt in den Reihen der Schlachtordnung. Dort findet man aber den Priester Achimelech. Dieser will im Lager weilen, wie ehedem das Heiligtum den Mittelpunkt der Heeresreihen in Israel bildete. Er kommt vor Saul. Die Wechselrede des Priesters nnd des Königs erhöht den Zorn des Wüthenden. Er verhängt den Tod über die Priester Nobs. Jndeß haben die Schaaren der Philister unerwartet rasch den Angriff unternommen. Geschlagen wird die Unglücksschlacht. So fällt Sauls Geschlecht. In den deutschen Landen brachte das Volkstheater schon mit dem-Beginne des 17. Jahrhunderts das Leben Sauls zur Darstellung. Nach einem in Straßburg 1606 gedruckten Büchlein wurde im Monate Juli desselben Jahres im „tdeutro academico“ daselbst „Saul, eine klägliche Tragödie vom gottlosen Könige und seinem schrecklichen Untergang", in lateinischer Sprache agiert und allen der lateinischen Sprache unerfahrenen zu Lieb ohngeführ in unser Muttersprach vertiert und verdeutschet.^) In dem Stücke treten drei Teufel zusammen itub beschließen das Verderben des jüdischen Volkes. David in seinem fromme» Sinne erscheint ihrem Plane hinderlich. Einer der Teufel nimmt die Gestalt der Amme Sauls an und regt des Königs Geist zu Haß und böser That ans. Die Last der Sünden häuft sich und fordert den Untergang des Fürstenhauses. Interessant ist der Eingang des Theaterstückes. David begiebt sich zu dem Heer, in welchem seine Brüder stehen. Er trifft mit einem Landmann zusammen, der über den großen Steuerdruck der Zeiten klagt. Das Gespräch verbreitet sich über die Vorteile des neuen Königtums. Die Schildwache stellt an David die Fragen: Wer, woher, wohin, lvozu. David wird ins Lager eingelassen und erschlägt den Goliath. — Das deutsche Drama unseres Jahrhunderts, das Saul und sein *) Das., Scene 3. *) Die Druckschrft, wie es scheint, ein kostbares Unikum in der königl. Bibliothek in Göttingen, wurde in Straßburg in Verlegung Pauli Ledertag ausgegeben. Herr Rabbiner Dr. Löwy in Göttinnen, war so freundlich, uns einen Auszug aus der Schrift zukommen zu lassen, welchen wir anderweitig zu verwerten gedenken.