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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-05-01 · Heft 5 (1.5.1891) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 5 (1.5.1891)
Date
1891-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 setzt sich in den Wagen und fährt fort. Vor dem jüdischen Tempel angelangt, hält der Wagen an, der Rosselenker öffnet rasch die Wagenthür und ruft: Ich bitte Euer Gnaden hier ist das jüdische Gotteshaus und so erfährt der gnädige Herr durch seinen Rosselenker wo denn eigentlich der liebe Herrgott wohnt! — Er betritt das Gotteshaus, wird da zur Thora gerufen, bei welcher Gelegenheit er eine Sunune Geldes den verschiedenen Wohlthätigkeitsvereinen spendet und somit glaubt er seine Pflicht erfüllt zn haben. Bald nach Beendigung der Thoravorlesung und der Seelengedächtnisfeier verläßt er das Gotteshaus, fährt nach Hanse und kümmert' sich weiter das ganze Jahr hindurch nicht im Entferntesten um Juden und Jndentum. Hat dieser den eigentlichen Zweck des Gottesdienstes, der Gottesverehrnng erkannt'? Mit Nichten! Nun wollen wir sehen wie die Bürgerlichen ihre Gottesverehrung zum Ausdrucke bringen. Diese fahren wohl nicht, sondern gehen am Versöhnungstag und zwar schon früh Morgens ins Gotteshaus, fasten, kasteien ihren Körper und beten den ganzen Tag. Der eine wie der andere schlägt sich in die Brust und ruft reumüthig aus ich habe mich schwer versündigt indem ich die wichtigsten religiösen Vorschriften wie die Gesetze der Humanität verletzt, den göttlicheil Namen entweiht, meinen Nebenmenschen verleumdet, verdächtigt verunglimpft, und geschädigt habe. Am andern Tage aber, nachdem sie sich ausgefastet und ausgebetet haben, geht jeder von ihnen wieder seinen alten Weg, der ©ine verdächtigt, der Andere verunglimpft, der Dritte verläumdet, der Vierte richtet heilosen Schaden an. Haben nun diese Betenden den eigentlichen Zweck des Gebetes erkannt? Mit Nichten. Was nützen uns also die prachtvollen Gotteshäuser, die geschultesten Sänger, die erhebensten Gesänge und Klänge, wenn der eigentliche Zweck des Gottesdienstes verkannt wird. Ja die Aboda, diese zweite mächtige Säule, des Judentums ist in ihren Grundfesten erschüttert worden, lind zwar nur deshalb, weil die erste Säule, Thora, in vielen Gegenden gänzlich vernachläßigt und wie ein morsches verfallenes Mauerwerk behandelt wird. Wo die Kenntnis der Thora fehlt, fehlt auch das Verständnis für den Gottesdienst für die Aboda. Erkenne vorerst den Gott deines Vaters, dringe vorerst in den Geist der Thora ein, dann wirst du Gott anbeten und verehren mit ganzem Herzen, mit freudigem Gemüthe und mit wahrer Andacht. König Saul' in Sage und Dichtung. Bortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judentums (Afike Jehuda) in Prag von I)r. Joel Müller, Docent für die rabbinischen Wissenschaften an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. (Fortsetzung). Lord Byron läßt uns „Sauls Gesang vor seiner letzten Schlacht" vernehmen: „Häuptling und Krieger, wenn Pfeil oder Speer, „Tötet den Führer von Zebaoths Heer, „Laßt mich, ob König, bedecken den Pfad, „Tauchet den Stahl in die Herzen von Gat!

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