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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-05-01 · Heft 5 (1.5.1891) · p. Seite 106

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 5 (1.5.1891)
Date
1891-05-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 nicht znrückweichen, fortschreiten sollte Israel jetzt, eher in den Tod gehen, als sich selbst der Erniedrignng und Entwürdigung preisgebe», eher in dem Meere sein Grab suchen, als in dem Lande seinen Aufenthalt nehmen, in welchem seine geistige Freiheit erlöschen und ersterben muß. Was da auch kommen mochte, welches Verhängnis, welches Leid und Ungemach es betraf, Israel wankte nicht, verzagte nicht, schritt unaufhaltsam weiter auf dem Wege, auf dem allein es sein Heil finden konnte und nicht erfolglos war sein Thun, nicht ziellos sein Wollen und Wirken. Ohne zu kämpfen, hat es gesiegt, gesiegt über die zahllosen feindlichen Gewalten, die allezeit und allerorten sich ihm entgegenstellten, hat es durch dichte Finsternis sich hindurchgerungen zum Licht und, so lauge auch seine Nacht gewährt, treu ausgeharret, nicht zweifelnd, daß auch ihm einst ein Morgen der Erlösung aufgehen, ein Tag des Heiles anbrechen werde. Diesen Geist des Mutes und der Einsicht, der Treue und der Standhaftigkeit, der Zuversicht und des Gottvertrauens wollen wir ans unserer Vergangenheit in die Gegeittvart hinübernehmen und für die Zukunft in unserer Mitte heimisch machen, daß er uns leite, stärke, erhebe, in den Leiden tröste, in den Freuden beselige, im Leben uns standhaft mache und im Tode uns erleuchte. Die irdische Herrlichkeit vergeht, nichtig ist des Menschen Macht, doch des Geistes Licht erlischt nicht und in Frieden leitet uns die Hand des Herrn. Wir verzagen nicht, wir verzweifeln nicht, wir unterliegen nicht. Mein Sieg und Sang ist der Herr und er führt mich zum Heile. Are Säulen des israelitischen Weligionsgebäudes. Ein Bor trag von I>r. M. H. F r i e d l ä n d e r. (Fortsetzung) Beweisen nicht die hohen Feste, besonders das Neujahrsfest und der Versöhnungstag, daß das Bedürfnis nach Andacht aus Israel noch immer nicht geschwunden ist? Sind nicht an diesen Tagen die Gotteshäuser in den großen wie in den kleinsten Gemeinden in allen ihren Räumen von Betenden gefüllt? Darf man da nicht mit Recht in die Worte d. h. Schrift einstimmen: Heute seid ihr alle vor Gott dem Herrn erschienen euere Häupter und Vertreter, euere Lehrer und Führer, euere Großen und Kleinen, die Reichen und die Armen, die Vornehmen und die Niedrigen, die Adeligen und die Bürgerlichen? Allerdings kann es nicht in Abrede gestellt werden, daß in unserer Zeit für die Erhaltung der Gotteshäuser und des Gottesdienstes die größten Opfer gebracht werden, daß in den Bethäusern die musterhafteste Ordnung herrscht und dieselben besonders an den hohen Festen in offen ihren Räumen von Betenden dicht gefüllt sind. Woher aber mag es wohl kommen, daß von den tausenden und abermals tausenden die da kommen um zu beten, nur die wenigsten nach den Festen in religiöser Beziehung einen anderen Lebenswandel führen denn zuvor? Die Antwort auf diese Frage ist leicht zu finden. Ein großer Theil der Betenden kennt nicht den eigentliche» Zweck des Gebetes. Gerade in dieser Beziehung herrscht eine förmliche Begriffsverwirrung. Das Mittel wird als Zweck betrachtet, während der eigentliche Zweck des Gebetes verkannt wird. Um niich etwas klarer ausdrücken zu können, will ich die hier ausgesprochene Ansicht durch Beispiele zu beleuchten /*

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