Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1891)
- Date
- 1891-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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94 ethischen Prinzipiell ini Talmud gesprochen. Die Arbeit des Herrn g. Dobschüh über die eingelieferte Preisarbeit „Darstellung des Standpunktes der einfachen Bibelexegese in den talmudischen Schriften" wurde ehrenvoll erwähnt. Entlassen wurden die Herren Dr. Kerger und Dr. Lewinskh. Beigegeben ist dein Programme das IV. Heft: „Reime und Gedichte des Abraham Jbn Esra" von Dr. Kosm. — Im Saale der Gesellschaft der Freunde in Zerlin hielt Herr Prof. Dr. M. Lazarus einen geistvollen Vortrag über das Thema: „Ein vergessener Held", in welchem er das Leben und Wirken des R. Josua b. Chananjah lichtvoll behandelte. — Am 9. Februar hielt in Kerlin Herr Prof. Dr. Steinthal einen Vortrag über „Kritik und Glaube". — Ein Leser unserer Blätter sendet uns folgendes Stück in's Deutsche übertrugen aus dem Werke: Ilistoiro clu peuple d’Israel (III. Band) von Kenan: „Man hat mir gar oft schon vorgeworfen, Gegenüberstellungen zwischen den Ereignissen des Altertums, welche ich erzähle und der Bewegung der Neuzeit angestellt zu haben. Mein Fehler ist es nicht, wenn ich auch in dem vorliegenden Bande dahin geführt wurde, die Empfindlichkeit der Schönfärber zu verletzen. Die Geschichte des alten Judentums ist das Beispiel, an dem man am besten den Gegensatz der politischen und sozialen Fragen sieht. Die Denker Israels sind die ersten, welche sich gegen die Ungerechtigkeit der Welt auflehne», welche es verweigern die Ungleichheiten, die Mißbräuche, die Privilegien zu erdulden, ohne welche es weder ein Heer noch eine starke Gesellschaft giebt. Sie untergruben die ExistenS ihrer eigenen kleinen Nation, aber sie griindeten das religiöse Gebäude, welches unter dem Namen Judaismus, Christentum. Islam, der Menschheit bis auf den heutigen Tag Schutz gewährt hat. Hierin liegt eine Lehre, worüber die modernen Völker nicht genug nachsinuen. Die Nationen welche sich den sozialen Fragen hingeben, werden untergehen; aber wenn diesen Fragen die Zukunft gehört, — schön wird es sein, für eine Sache den Tod zu erleiden, welche bestimmt ist zu triumphiren. Um das Jahr 500 v. Ehr. waren alle vernünftigen Leute in Jerusalem wütend über die Propheten, welche jede diplomatische und militärische Aktion unmöglich machten. Welcher Schaden indessen, wenn diese erhabenen Narren eingcsperrt worden wären? — Jerusalem Hütte dabei gewonnen, ein wenig länger die Hauptstadt eines unbedeutenden Königreiches zu sein; es wäre aber nicht die religiöse Hauptstadt der Menschheit geworden. — Im litterarischen Verein in Karlsruhe hielt Herr Dr. P'ntel einen Vortrag über „Ghetto und Ghetto- Dichter."— Am 3. Februar hielt Herr Rabbiner Dr. Kotlek in Homburg v. d. Höhe einen Vortrag über das Thema: „Der Württembergische Finauzrat Süß Oppenheimer." Wir gedenken demnächst eine in unserem Besitze befindliche Handschrift über denselben zu veröffentlichen. — In Dresden hielt Herr Rabbiner Dr. Winter am 27. Januar einen Vortrag über „Erziehungsregeln aus alter Zeit für die Gegenwart". - Der Sultan von I^hore, welcher während seines Aufenthalts u in Frankfurt a. M. im Hanse des geschützten Vorstandsmitgliedes des Mendelssohn- Vereins Herrn Herrmann Kat; seinen Aufenthalt nahm, zeigte ein reges Interesse für die deutsche Wissenschaft und hat von der Familie des jüngst verstorbenen Rabbiners Dr. Inlins gandsbrger, zu Darmliadt, welcher auf dem Gebiete der Fabeln bahnbrechend in der Wissenschaft gewirkt hat, dessen Werk: „Iggereth Haale C'liajim,“ Abhandlung über die Thiere von Kalonymos ben Kalonymos. oder Rechtsstreit zwischen Menschen und Tier vor dem Gerichtshöfe des Königs der Genien, ein arabisches Märchen" erworben, um es ins Malayische übersetzen zu lassen. Mit dieser Arbeit wurde ein Professor der Universität Lehden betraut;