Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1891)
- Date
- 1891-04-01
- Page
- Seite 95 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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95 dieselbe ist bereits soweit gediehen, daß die Veröffentlichung demnächst erfolgen kann. — In einem Vortrage den der Amerika-Reisende Herr Dr. Jöst siingst im ethnographischen Verein in Srrlin hielt, sagte er unter Anderem, daß Surinam ein fast ganz jüdischer Staat sei. Außer dein Gouverneur sind fast alle Civil- und Militärbeamte Inden. — Nach Kiel wurde Herr Dr. Moritz Stern als Prediger berufen. — Großes Aufsehen erregte in Sreslan als Tenorist ein russischer jüdischer Vorbeter, der den Künstlernamen Eerini angenommen. Er trat mit glänzendem Erfolge im „Troubadour" und als Eleazar in der „Jüdin" auf. — In Siclefeld starb im Alter von 111 Jahren Herr Rentner Jordan und in Sreslan-am 4. Februar der älteste Einwohner der Stadt, der 102 Jahre alte Rentner Sonnenfeld. — In Emden starb der verdiente Hauptlehrer Herr Slnmenthal. — Der Hofbankier Kaiser Wilhelms I., Herr Baron Eohn in Dessau, hat den Herzog und den Magistrat um die Erlaubnis gebeten, auf eigene Kosten in Dessau ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. errichten zu dürfen. — Man schreibt uns aus Frankfurt a. M.: Durch Wahl der Stadtverordneten und durch Bestätigung des Magistrats wurde Herr Louis Snndheimer, ein eifriges Mitglied der Verwaltung des Mendelssohn-Vereins, zum Bezirksvorsteher und Waisenrat für den dritten Stadtbezirk ernannt. Es ist dies ein hervorragendes bürgerliches Ehrenamt. — In München wurde Herr Louis Keichenbrrger in den MaMwtsrat gewühlt. — Bei der Budgetberatung in der zweiten Kammer zu Darmstadt wurde anläßlich der Forderungen für den Kultus die antisemitische Bewegung seitens der Regierung und des Hauses ans das Entschiedenste verurteilt. — Man berichtet uns: Herr Adolph Weiß, Redakteur des antisemitischen Blattes „Landrat und Bienenzüchter" in Darmstadt soll wegen Erpressung sich früher eine Gefängnisstrafe zugezogen haben. — Bei dem Feste zu Ehren der „Chewra Kadischa heilige Bruderschaft" in Katibor feierte Herr Rabbiner Dr. Slnmenthal, die von der Religion vorgeschriebeue echte Menschenliebe, die nicht frage, ob jüdische Herzen weinen oder christliche Thränen fließen, die überall helfe, wo Menschenleid webt und Menschenmühsal waltet; diese einzige wahre Humanität, welche an keine Schranke gebunden ist, sei das Bindeglied aller Bekenntnisse, die goldene Brücke zu einer schöneren Zukunft, das nahende Frührot meiner besseren Zeit. — In Berlin erscheint eine Wochenschrift „Wahrheit und Gerechtigkeit" von Dr. F. $1. Huber. Der Herausgeber will auch den Antisemitismus bekämpfen und enthält die uns vorliegende Nummer auch einen Artikel über den Talmud in diesem Sinne. — In der Versammlung des Bezirks-Lehrervereins in Darmstadt sprach Herr Direktor Fiedler über die Antisemitenbewegung in Deutschland. Die Versammlung erklärte sich mit den die antisemitische Bewegung verurteilenden Ausführungen einverstanden. — In Ahorn hat sich ein Gesangverein „Harmonie" gebildet, tu dessen Satzungen es heißt: „Ausgeschlossen von der Mitgliedschaft sind Inden". „Disharmonie" wäre wohl eine richtigere Bezeichnung dieses Vereines. — Die Herren Rabbiner Dr. Löm, Szegcdiu, Dr. Kerls. Fiinfkirchen, Dr. Kofenberg, Arad und Dr. Uenmann, Gr- Kanisza beschlossen die Bibel ins ungarische zu übertragen. Die Herren teilten die Arbeit unter sich ans und schreitet dieselbe rüstig fort. — In Kreßbnrg erscheint eine neue jüdische Wochenschrift in ungarischer Sprache für die Interessen des orthodoxen Judentums, unter Redaktion von Eh. Israel. — Der österreichische Finanzminister Herr Dr. Emil Steinbach entstammt einer jüdischen Familie. Er sprach sich jüngst entschieden gegen Antisemitismus aus. — Der Handelsminister hat die Wahl des Großindustriellen Herrn David Tiltinger zum Vizepräsidenten