Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1891)
- Date
- 1891-04-01
- Page
- Seite 90 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Mache mir deine Wege bekannt, daß ich dich erkenne. (2. Mos. 33, 13.) Es ist dir gezeigt worden zu erkennen, daß der Ewige allein Gott ist. (5. Mos. 4, 35.) ' Erkenne den Gott deines Vaters und diene ihm mit anfrichtigem Herzen und mit williger Seele. (1. Chron. 28, 9.) Auf daß alle Völker der Erde erkennen, daß der Ewige Golt ist, keiner mehr. (1. Kön. 8, 60.) Auf allen deinen Wegen erkenne ihn. (Sp. 3, 6.) Lasset uns Acht haben, uns mühen den Ewigen zu erkennen. (Hosea 6, 2.) Daß ihr erkennet und an mich glaubet und wisset, daß ich es bin. (Jes. 43, 10.) Aber nicht nur das heilige Wort, verehrte Religionsgenvssen, auch die Natur, die Geschichte, unser Geist und unser Herz — alles weiset hin auf Gott, den Ewigen und Einzigen, den wir erkennen und darum bekennen. Aus Ungarn- Von M. Carl Stabiler in Bakony Szombathely. Ungarn ist gar vielen in der weiten Welt noch immer eine terra incognita. Wohl hat der vor mehreren Jahren hier aufgetanchte Tendenzprvzeß von Tisza-Eszlar unserer Heimat Klang und Namen verschafft, allein es wäre gar zu traurig, wollten sich unsere deutschen Brüder nach der besagten Geschichte ein soziales Bild dieses Landes entwerfen Ungarn ist — trotz Allem und Allem — weit besser, als sein Nuf; ja es macht Miene, sich bald auch den westlichzivilisirten Staaten geistig anzureihen. Und das will viel bedeuten. Das allgemeine Interesse, das von besseren Ständen der fortschreitenden Kultur, der Gesittung und Bildung gezollt wird, bleibt auch Ungarn auf seinem Wege zur Festigung lobenswerter, nationalpolitischer Bestrebungen gesichert, besonders wo sich dasselbe durch freiheitliche Institutionen auf das Niveau der weltführenden Staaten erhebt. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, eine systematische Schilderung von Land und Leuten zu geben. Was wir sagen wollen, bezieht sich auf die Verhältnisse unserer jüdischen Glaubensgenossen daselbst und auf deren Entwickelungsgaug im jüngsten Vierteljahrhundert. Schlecht und recht, wie die Sachen eben stehen, wollen wir sie schildern; Licht und Schatten, Lob und Tadel nur nach Maßgabe der positiven Ergebnisse erwähnend. Wenn wir dabei auch manch' Unangenehmes sagen müsse», ist es nur, weil die Wahrheit, die Sache es will. Wie bekannt, hat in dem großen Völkerkonzert, das Mitteleuropa 1848 in ganz ungetvohnt klingenden Akkorden aus tiefer Lethargie zum neuen Leben erweckte, auch Ungarn seine bedeutsame Rolle gespielt. Avitismus und konservatives Stillleben herrschte früher auch hierzulande. Große Massen, ohne Begeisterung für ideale Ziele, ohne Energie und Schwung, doch tief versunken in unbesiegbarem Fatalismus, fristeten auch hier ihr gedankenloses, traurig-monotones Dasein. Als aber jene unheimlichen Blitze aufzuckten, ließ ihr grelles Licht in den politischen Horizont einen tiefer» Blick thun, und es fanden sich Männer voll edler Begeisterung und Thatkraft und bald ertönten auch jene vielsagenden Schlagworte, wie sie bei bedeutsamen Wendepunkten in der Geschichte