Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1891)
- Date
- 1891-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- Simlai 1× ep/1007159
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89 Der Herr, dein Gott, fordert von dir rc. — Dieser eine Glaubenssatz ist aber auch völlig ausreichend, und auf ihm bauen sich die übrigen Glaubenslehren, die Lehre von der Unsterbli ch keit, von der Offenbarung ii. s. w von selbst auf, ohne daß diese Lehren in bestinimte Glaubenssätze.formulirt worden wären. So blieb es lange Zeit. Als aber während des Bestandes des zweiten Tempels religiöse Parteien sich bildeten und bald diese bald jene Grundlehre des Judentums geleugnet wurde, wie z. B. die Saduzäer die Messiaserwartnng und die Unsterblichkeit, die A l e x a n d r i n e r die Offenbarung leugneten rc., erhoben sich allmählig die Gesetzeslehrer zur Feststellung von Glaubenssätzen, bald in größerer, bald in geringerer Zahl. Von solchen Aufstellungen in späterer Zeit sind hervorzuheben: Die von R. Saadjah Gaon (892 bis 942) in zehn Grundlehren; von Chananjah ben Chusschiel (um 1025) in vier Grundlehren; von Abraham ben David aus Toledo (im 12. Jahrh.) in f ü n f Grundlehren und verschiedene andere. Epochemachend war die Aufstellung der d r e i z e h n Glaubensartikel des Majnwmdes (1168) in seinem ' Commentar zu Michnah Sanhedrin. Seine Aufstellung fand zwar manchen Widerspruch, unter anderen von Joseph Albo (1380—1444), der die Grundlehren auf drei reduzierte; allein die dreizehn Glaubensartikel des berühmten Philosophen haben sich ihr Ansehen erhalten bis auf die Gegenwart. Sie finden sich in jedem Gebetbuche abgedruckt und haben auch eine poetische Bearbeitung erhalten in dem bekannten hebräischen Gedichte „Jigdal". Bezeichnend ist, was ein Lehrer des dritten Jahrhunderts, Rabbi Simlai, sagt: (Ich gebe seine ausführliche Abhandlung in Mackoth 23 und 24 verkürzt wieder) 613 Gesetze wurden dem Moscheh am Sinai mitgeteilt, da trat David auf und führte sie auf elf zurück (Ps. 15), Jesaiah auf sechs (Jes. 33, 15), Micha auf drei (Micha 6, 8) Jes. II auf zwei (Jes. 56, 1), endlich Amos und Habakuk auf je ein (Ämos 5, 4. Habak. 2, 4). Schon diese in Inhalt und Zahl von einander abweichenden, von den Gelehrten verschiedenen Standpunktes und in verschiedenen Jahrhunderten aufgestellten Grundsätze, die man gelten ließ oder nicht, ohne sich darum gegenseitig zu verketzern, liefern den Beweis, daß man weder in der biblischen noch in der nachbiblischen Zeit daran gedacht hat, bestimmte Religionsanschauungen als bindende Glaubensartikel aufzustellen. Was das eigentliche Glauben betrifft, so ist bemerkeuswerth, daß die hebräische Sprache dafür gar kein Wort hat. Hauptwahrheiten werden mit verschiedenen Bezeichnungen benannt. Das Wort „Emuna", welches man gewöhnlich mit „Glauben" übersetzt, bedeutet eigentlich mehr: Vertrauen, Wahrheit, Befestigung. Davon ist auch das seit ältesten Zeiten als Schlußformel für jedes Gebet oder jede religiöse Betrachtung gebräuchliche „Amen" abzuleiten und etwa zu übersetzen mit: „also bestätige es sich" oder es werde wahr". — Es ist überhaupt nicht genug hervorzuheben, daß das Wesen des Glaubens in religiösem Sinne nicht in einem bloßen Sich bekennen zu gewissen Sätzen, also nicht in einem F ü r w a h r h a l t e n derselben besteht, sondern im Erkennen und Beherzigen, im völligen Durchdrungensein von dem Grundgedanken der Religion, von Gott, wie viele Mahnungen der heiligen Schrift es darthun: So erkenne heute und nimm es dir zu-Herzen, daß der Ewige allein Gott ist. (5. Mos. 4. 39.) 8