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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-04-01 · Heft 4 (1.4.1891) · p. Seite 82

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 4 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
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82 Gott mir befohlen, d. h. mit andern Worten, was ich euch gelehrt ist kein Produkt meines sondern des göttliche» Geistes, beherzigt daher diese Lehren und beachtet sie, denn nur durch Wertschätzung und Verehrung der Thora und der Träger derselben werdet ihr im Stande sein den Völkern der Erde Achtung abzugewinnen und sie werden unwillkürlich ausrufen: Wahrlich diese große Nation ist so weise, verständig und intelligent, weil nur gebildete zivilisirle Menschen die echte Wissenschaft wie die Förderer derselben zu würdigen verstehen; beherzigt daher diese schönen herrlichen Lehren der Thora, sorget dafür, daß sie nicht vergessen und nicht vernachläßigt werden. Die Wissenschaft ist Macht, daher die Thora niit Recht „Sieg, Macht" genannt wird. II. Der Gottesdienst. Die zweite Säule, auf der das Judentum ruht, heißt „Aboda" Gottesdienst, Gottesverehrung. Wie die der Verbreitung der Kenntnis der Thora geweihte Institution, die Schule, ebenso bildet die der Andacht gewidmete Stätte, das Gotteshaus, eineu Grundpfeiler des Judentums. Als der scharfsichtige heidnische Prophet Bileam, der von dem moabitischen Könige berufen wurde Israel zu verlästern und der Verachtung preiszugeben, in seinem prophetischen Geiste das Gedeihen der israelitischen Gotteshäuser und Lehranstalten erblickte, rief er begeistert aus : Wie schön sind deine Zelte Jakob, deine Wohnungen Israel, worauf unsere Weisen bemerken: Der Prophet hat hier in weiser Rede aus die Gotteshäuser und Lehranstalten angespielt. Ein Volk, das für die Erhaltung des Gottesdienstes wie für die Verbreitung der Kenntnis der Thora unter allen Umständen die größten Opfer zu bringen bereit ist, ist unverwüstlich, unzerstörbar. Es ist daher die heiligste Pflicht einer jeden Gemeinde dafür zu sorgen, daß in ihrer Mitte eine Stätte sich befinde, wo die Glaubensgenossen ihre Herzen in inbrünstigen Gebeten vor Gott dem Herrn ausschütten, ihre sehnlichsten Wünsche dem großen edlen Menschenvater vortragen und die Gefühle ihrer dankerfüllten Herzen ob der ihnen zu Teil gewordenen göttlichen Gnade ausdrücken können. „Sie sollen mir ein Heiligtum errichten, damit ich unter ihnen wohne", lautet das göttliche Wort. Wozu aber, so fragen unsere Weisen, braucht Gott ein Heiligtum? Giebt es denn überhaupt einen begrenzten und beschränkten Raum, den man Gott als Wohnsitz anweisen darf? Bildet nicht das ganze große Weltall seinen heiligen Tempel? ruft nicht der gottbegnadete Prophet Jesaias im Namen Gottes aus: „Der Himmel ist mein Thron, die Erde meiner Füße Schemel, wozu einen Tempel mir erbauen, wozu einen Ort zu meinem Wohnsitze mir anweisen?" (Jes. 66.) Allein nicht um sich einen Wohnsitz errichteil zu lassen hat Gott der Herr befohlen einen Tenipel zu erbauen, sondern einzig und allein deshalb, damit seine Kinder eine Stätte haben, wo sie sich durch das andachtsvolle Gebet im Geiste mit ihrem Vater vereinen nnd ihm eine Stunde der Andacht widmen können. Wohl kann man überall Gott anbeten und verehren, „an allen Orten wo du meinen Namen anrufen wirst, werde ich dich erhören" lautet das göttliche Wort, allein nicht jeder Ort ist geeignet die Andacht zu erwecken, den Betenden in eine tief ernste Stimmung zu versetzen, im Gegenteil, die Außenwelt mit ihrem Geräusche und betäubenden Gewühle ist zumeist und zuvörderst danach angethan des Menschen Blick zu verwirren, seinen Sinn von dem Erhabenen, Göttlichen, Idealen abzulenken und auf das Alltäg-

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