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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-04-01 · Heft 4 (1.4.1891) · p. Seite 81

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 4 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 81 (sequence 9)
Language
German
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81 reichsten Städten des Landes nichts destoweniger war sie sehr berühmt und zwar der zahlreichen Gelehrten nnd Schriftknndigeu wegen, die zu ihren Mitgliedern zählten. Sie wurde allgemein die Stadt der Intelligenz genannt- Einmal unternahm R. Jose eine Reise nach der größten vvlksreichsten Stadt der Monarchie. Der vornehmste nnd begüterteste Mann dieser großen Gemeinde machte ihm seine Aufwartung und begrüßte ihn auf die ehrerbietigste Weise. Bei dieser Gelegenheit stellte er an den Rabbi die Frage: Was ist das für ein Ort, wo du wohnst? Wie kommt es, daß du, der jeder großen Gemeinde zur Zierde gereichen würde, in einem so kleinen Orte wirkst? Du irrst gewaltig, entgegnete der Rabbi, wenn du glaubst, daß ich in einem unbedeutenden Orte wohne, ich bi» aus einer großen Stadt, die zu den berühmtesten und angesehendsten Städten des Reiches gezählt wird, weil sämtliche Bewohner derselben einen solch' hohen Grad von Bildung und Intelligenz besitzen, daß sie die Thora wie die Träger derselben zu würdigen und zu achten verstehen. Aber was nützt das Alles, erwiderte ihm jener Reiche, von Idealen allein kann man doch nicht leben, und deine Gemeinde kann beim besten Willen dir doch nicht das bieten, was du zu beanspruchen berechtigt wärest. Wärest du also nicht geneigt unsere Stadt zum Schauplatz deiner Thätigkeit zu wählen? nnd ich allein würde dir tausende und abermals tausende von Denaren an Gold und Edelsteine geben. Wenn du allein es bist, der für die Verbreitung der Kenntnis der Thora Sorge tragen und für die heiligsten Institutionen dieser Gemeinde die größten Opfer bringen mußt, während sich die andern zahlreichen Mitglieder um die Lehre des Judeutums nicht im Entferntesten kümmern, kann ich mich, selbst wenn du mir alles Gold und Silber und alle Kostbarkeiten der Welt anbieten würdest, durchaus nicht entschließen meine für die höchsten Güter der Religion im höchsten Maße begeisterte Gemeinde zu verlassen und deinem Rufe Folge zu leisten. Ich stehe im Dienste der Religion und mein Lebensziel ist nicht die Erwerbung irdischer Reichtttmer und Schütze, die doch alle nichtig und flüchtig sind, sondern die Verbreitung der Kenntnis der Thora, die allein die Lebenskraft des Judentums bildet. Dieses erhabene Ziel kann aber nur in einer Gemeinde erreicht werden, wo sämmtliche Mitglieder die Thora wie die Verkünder des göttlichen Wortes zu würdigen verstehen. Die Thora ist ein Baum des Lebens für die» die sich für sie begeistern und wahrhaft glückselig sind diejenigen die sie und ihre Träger besonders zu würdigen und zu verehren verstehen. Und in der That lehrt auch die Geschichte, daß in Zeiten, da es niemand in Israel gewagt die Autorität der hervorragendsten Lehrer zu verletzen, in Zeiten wo die Gemeinden bereitwilligst die größten Opfer brachten, so es galt kenntnißreichen Männern, die sich durch Charaktergröße wie durch wahrhafte Frömmigkeit auszeichneten, das heiligste Amt eines Volkslehrers zu übertragen, während unberechtigte und unbefähigte Individuen mit Entrüstung abgewiesen wurden, das Judentum trotz aller Verfolgungen und Bedrückungen felsenfest und unerschütterlich dastand, während in trüben nnd düstern Tagen in welchen die Thora nicht beachtet, die Verkünder des göttlichen Wortes nicht berücksichtigt wurden und Halbwisser, Heuchler, frömmelnde Augenverdreher, die das, was ihnen an Gelehrsamkeit und Wissen abging, durch Heuchelei, Kriecherei, Servilismus und Byzantinismus ersetzen zu können glaubten, sich hervordrüngen und eine Rolle spierni durften, dem schönen prachtvollen Religionsgebäude Gefahr drohte in seinen Grundfesten erschüttert zu werden. Eiii Judentum ohne Thora gleicht einem Körper ohne Seele. Moses rief daher vor seinem Scheiden Israel zu: „Siehe ich habe euch gelehrt Gesetze und Rechte, wie der Ewige mein

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