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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-04-01 · Heft 4 (1.4.1891) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 4 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 Dichters unserer Zeit, ermuntert Michal, die Tochter Sauls, auf dem Söller des Palastes weilend, als der König den Philistern gegenüber lagert, den jungen Harfenschläger ihres Vaters, sich in den Waffen 511 üben, hinaus in die Zelte Israels zu ziehen und den Mut im Kampfe zu erweisen. Bald schwingt David kriegskundig die Waffe. Ruhnibekränzt kehrt er heim. Sein Loh» ist die seelenvolle Tochter des Königs. Sauls Neid aber stellt deni jungen Helden nach, er sendet Boten hin, die das Wort des Todes tragen. Michal rettet ihren Gatten. Auf demselben Söller weilt sie wieder und blickt ins Weite dorthin, wo etwa der Flüchtling irrend schweift. Der Dichter singt: „An blüt'umrankten Fensters freiem, offnem Licht, „Sprach glückverkläret einst das blumenfrische Fürstenkind „Zu diesem gotterfiillten Hirten sanft und schlicht. „Wie Liebe floß der Worte Hauch in Frühlingswind. „Nun irrt der Knabe, ihn umtoben blut'ge Sperre, — „Die zarte Fürstin blickt, den Blick umflort die Zähre. „Durch dieses Fensters weiten, raumumschloss'nen Zug, „Kam sonst der Nord und rührt' die hingelehnten Saiten, „Des Dichters Geist gewann den kühnen, stolzen Flug, „Des Sängers Heldenange schaut die Weltenweiten. — „Nun irrt der Sänger, seine Harfe will zerschellen, „Den Heldengeist umrauschen nur des Waldes Sturuieswellen.') _ (Forts, folgt.) Me Säulen des israelitischen Meligionsgebäudes. Ein Bor trag von Di-. M. H. Friedländer. (Fortsetzung) R. Jose b. Kisma erzählt folgende Geschichte, die geeignet sein dürfte die hier ausgesprochene Behauptung zu beleuchten. „Einst befand ich mich auf der Reise, da begegnete mir ein Mann, der mich freundlichst grüßte und ich erwiederte den Gruß. Dann frug er mich: Rabbi woher bist du? und ich entgegnete ihm: ich bin aus einer Stadt die ihrer vielen Gelehrten und Schriftkundigen wegen berühmt ist. Nun stellt er an mich die Frage: Wärest du nicht geneigt unsere Stadt zum Schauplatze deiner Thätigkeit zu wählen? und ich würde dir tausende und aber tausende von Denaren an Gold und Edelsteine geben, ich aber antwortete ihm, wenn du mir auch alles Silber und Gold alle Perlen und Edelsteine der Welt bieten möchtest, so würde ich doch nur, jenen Ort zu meinem Wohnsitze wählen, wo die Kenntniß der Thora eine allgemeine ist. Welch' ein erhabener Sinn liegt in dieser Erzählung. R. Jose b. Kisma war einer der bedeuteildsten Lehrer seiner Zeit, der sich wegen seiner hervorragenden Gelehrsamkeit wie wegen seiner Hoheit Tugenden und Eigenschaften einen glänzenden Namen gemacht und einen bedeutenden Ruf erworben hatte. Die Stadt, wo er seinen Wohnsitz aufgeschlagen gehörte zwar nicht zu den größten und ’) I. L. Gordon, David und Michal III. Ges.

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