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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-04-01 · Heft 4 (1.4.1891) · p. Seite 79

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 4 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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79 ist da der große Tag, an dem die Hingeschiedenen auferstehen zu ewig frischem Leben?U1).... Saul spricht zu dem Geiste. Er klagt, daß ihm Gott nicht Antwort sende. Verstummt ist ihm das Prophetenwort, der Strahl des Traumes erloschen. Die Priester nennt des Königs Lippe nicht. Sie kann sie auch nicht nennen. Denn in diesem Augenblicke treten sie hin vor ihn die Geister jener achtzig Opferdiener, die er in Nob dem Tode weihte.* 2) — Auch über den Gang zur Todtenbeschwörerin hinaus begleitet die jüdische Sage den heldenhaften König. Noch einmal rafft er seinen Mut zusammen, das Schwert mächtig schwingend, zieht er in die Schlacht. Die Kampfgenossen fragen: Was hat die Erscheinung in En-Dor dir verkündet. Saul will zum Streit die Geister seiner Treuen wecken. Er spricht: Ich hörte diesen Ruf: „Du erringst neuen Sieg und Ruhm. Fortab bleiben deine Söhne des Heeres erste Streiter!"3 4) So endet Saul ohne Fehl und Sünde. Zum Schatten Samuels gewendet, lautete sein Wort voll Reue: „Es ist. mir leid und bange." „Gott ist von mir gewichen." Mild und sanft tönt noch ein zweitesmal ihm des Himmels Ruf: „Annoch bist du der Gotterwählte. Rein, versöhnt trittst du zu dem Propheten in das ewige Gottesreich."'') Ein Doppelquell war es, aus dem die Sage floß, die sich hinschlingt um das Leben Sauls. Das zarte Mitgefühl des Volkes, das das Geschick seines ersten Königs ihm die Seele rührte, und die sinnende Betrachtung edler Lehrer, welche die Tage der Vorzeit forschend erwogen. Auch die Dichtung, so weit sie nicht berichtet, sondern freigestaltend das Leben Sauls verherrlicht, läßt durch ihr Zauberwort zweifach weckende Gebilde hervortreten. Die Sage ist das Dichterwort des Volkes. Sie rühmt im Lobe hier den einzelnen Zug der Seele, schätzt dort prüfend den Inhalt eines vielbewegten Lebens. Auch der Dichter ist von der Macht des Geistes, dem er sinnend uahetritt, tief ergriffen, ein Begegnis ini fremden Leben läßt die Saiten seines Herzens schwingen und der tiefe Ton, der sich aus seiner Seele ringt, erklingt im lyrischen Gedichte. Es tritt auch der Dichter hin und hat ein großes Ziel im Auge. Er stellt eine Handlung des Erdenlebens dar. Er will das Herz bewegen. In dem Anblicke des vollendeten Bildes soll die Seele Freude und Ergötzen finden. Der Post formt sein Drama. Das Leben Sauls bietet der Lyrik die herrlichsten Momente und von seiner Bedeutung für die Tragödie mag dieses Wort Leopold's von Ranke zeugen: „In dem beginnenden Gegensätze zwischen Samuel und Saul steht auf der einen Seite der Prophet und sein Gesalbter, welche die religiöse Autorität nach allen Seiten hin behaupten wollen, auf der Anderen der Vorkämpfer und Retter der Nation, der, von den Gläubigen verlassen, sich den dunkeln Gewalten zuwendet und seine Zuflucht zu einer Weissagung durch Totenbeschwörung nimmt. Saul ist die erste tragische Gestalt der Weltgeschichte." 5) Groß ist die Anzahl der lyrischen Dichtungen, welche die Regungen in dem Geiste Sauls oder einzelne Momente aus dem Leben seines Hauses besingen. Uns ist es nur gestattet, drei derselben, welche weniger bekannt sind, hervorzuheben. In dem großen Gedichte Juda Löb Gordons, des neuhebräischen ') Agadat Sch'muel. a) Schocher tob. 8) Tanchuma. 4) Das. °) Weltgeschichte I. Tl. I. Abt. S. 59.

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