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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-04-01 · Heft 4 (1.4.1891) · p. Seite 77

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 4 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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77 Gute Vorsätze werden aber bekanntlich leichter gefaßt als ausgeführt und wenn es die eigene Lässigkeit ist, die dieselben ins Wanken bringt, so stellen sich ja sonst auch in unvorhergesehener Weise manche Hindernisse ein, die uns dazu zwingen, sie fallen zu lassen. Wir sehen ja daher sehr häufig, wie im Lebenskämpfe oft der bessere Mensch in uns unterliegen und zurückweichen muß vor den feindlichen Gewalten, die sich da ihm entgegenstellen. Nun solche Schwierigkeiten, welche ihr die Ausführung ihres Vorsatzes fast unmöglich machen mußten, waren für Esther in gar reicher Fülle vorhanden. Hatte sie auch, vermöge der eigenen Würde und Geisteshoheit, die ihr inne wohnte, den festen Willen, auch als Königin eine treue Bekennerin der israelitischen Lehre sein und bleiben zu wollen, so mußte sie es ja bald einsehe», ein wie geringes Maß von Möglichkeit hiefür vorhanden war. Als Frau eines Königs, der von Israel gar nichts wußte, in einer Umgebung, die ihr völlig fremd war, inmitten von Menschen, deren Denkart und Lebensführung in Allem dem Judentum widersprechend schien, da sollte sie ganz allein — demselben ebenso zugethan bleiben wie früher in dem Hause ihres glanbenstreuen jüdischen Pflegevaters? Und besaß sie auch diese Entschlußfestigkeit, die Standhaftigkeit, die ihr es ermöglichte auch da, ob sie auch dem Leben das Seine gab, der Lehre Israels das Ihre zu lassen, so traten ja bald Umstände ein, unter denen das jüdische Bekenntnis für sie gerade die größten Gefahren in sich schloß. Israel war beim Könige in einer so herabwürdigenden Weise verleumdet worden, daß dieser ohne Bedenken sich zu einem Ausrottungsbefehle gegen dasselbe verstand. Der oberste Leiter des Reiches, dessen Rat und Wille für den König in allen seinen Entschließungen maßgebend war, war gegen Israel so ergrimmt, daß er, wie er diesen Vorschlag zuerst dargelegt hatte, auch mit rastlosem Eiser daran arbeitete, ihn mit unnachsichtiger Strenge zu verwirklichen, Israel seufzte in Kummer und Bedrängnis und sie sollte auch jetzt noch eine Angehörige dieses Volkes bleiben und ihr ganzes Glück, ihre königliche Ehre, ja selbst ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen? Wahrlich! Es hatte ihr Glaube jetzt eine harte Probe ihr auferlegt, und als ihr zugemutet wurde, daß sie, die ja einst das Herz des Königs erobert, durch ihr Wort, durch ihre Fürbitte, seine Ungunst von Israel ablenken sollte, da konnte sie selbst einen Augenbick zögern und schwanken, denn in einer solchen Zeit als Israelitin sich offen zu bekennen, ja ihre Teilnahme für ihre so verhaßten Glaubensgenossen an den Tag zu legen, das konnte ihr selbst nur Unheil und Verderben bringen. Und doch siegte iu ihrem Herzen das Mitgefühl über das Selbstgefühl, die Glaubenstreue über die scheue Bedenklichkeit. Bin ich verloren, wenn ich dem Könige mein Bekenntnis offenbare, nun so sei es denn. Warum sollte ich allein den Stnrz meines Volkes überleben? Wie könnte ich bei der Schmach, die auf den Meinen lastet, selbst noch nach Ehre verlangen? Und so tritt sie mutig vor den König hin und steht standhaft für ihre bedrängten Glaubensgenossen ein und rettet durch ein offenes Wort, durch das laute Bekenntnis ihres Glaubens, das ganze Volk vor schmählichem Untergange Nimm die Königskrone hin, die du auf mein Haupt gesetzt, ruft sie Ähasveros zu, wäre ich eine Sklavin, ich würde mich glücklich preisen, so nur das Volk dem ich entstamme, würde verschont bleiben vor der Vernichtung, die Hainau aus verletztem Ehrgeize demselben zugedacht. Hat Esther dadurch in den Augen des Königs etwas verloren, daß sie als eine Bekennerin des Judentums sich vor ihn 'hinstellte, hat sie nicht erst jetzt wieder von Neuem au Gunst und Ansehen gewonnen? Nein, wir brauchen das Judentum nicht in der Oeffentlichkeit zu verleugne», uns nicht zu

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