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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-03-01 · Heft 3 (1.3.1891) · p. Seite 71

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
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71 Spitze steht ein Herr Dr. Fennhagen. — In Hochstadt fmtb am 8. Januar eine Antisemitenversaminluiig statt. Herrn Koeckel wurde beim Rückweg mit Fackeln heimgeleuchtet. — Man schreibt uns: Es erging von Seiten des Herrn Gberstaatsamvaltes Schlippe ein Ausschreiben an die Staatsanwaltschaften und Aintsanwälle in Hessen, daß bei Beleidigungsklagen seitens der Israeliten, wobei Antisemitismus in Frage komme, öffentliche Anklage zu erheben fei. — In Königsberg. fanden jüngst Ausweisungen von Juden' nicht statt. — Der Präsident des Kriegervereins in Worms, Herr Gernsheim, erlitt als solcher im „Lindenfrlser Anzeigeblatt" antisemitische Angriffe. Der Kriegerverein in Worms sah sich in Folge dessen zu einer Erklärung veranlaßt, in welcher hervorgehobe» wird, daß der Verein mit Stolz auf seinen Präsidenten blicke und daß man in Worms Gott sei Dank vom Geiste der Intoleranz verschont sei und Verhetzungen solcher Art keinen Boden fänden. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß die Mehrzahl der Kameraden des Vereins im Jahre 1870/71 ohne Unterschied der Konfession für die Einigkeit Deutschlands ihr Leben eingesetzt hatten. — In der Christnskirche in Kerlin hielt Herr Prof. Dr. Paulus Eälsel einen Vortrag über Jude und Zigeuner. Er behandelte dieses Thema selbstverständlich in einer die Juden ehrenden Weise. — Der Vorstand der israelitischen Kultnsgemeinde in Wien hat Herrn Wilhelm Kitter v. Gntmann zu seinem Präsidenten erwählt. In seiner Programmrede sagte er unter anderem: Nach dem Gottesdienste ist das Thorastudium die vornehmste Aufgabe einer jüdischen Kultusgemeinde, das Thorastndium ist die Basis des Judeutnnis. Redner erinnert sich mit Stolz der Zeit, da er dem Studium der Thora seine Muse widmete. Es genügt nicht, daß der Kultnsvorftand in einem oder zwei Bezirken eine Bibelschule unterhält; derartige Schulen für den freiwilligen Besuch der jüdischen Jugend müssen in allen Bezirken errichtet werden, damit diejenigen Eltern, welche es als heilige Gewissenssache ansehen, ihren Kindern einen gründlichen hebräischen und Religionsunterricht ertheilen zu lassen, dazu Mittel und Gelegenheit haben. Es gilt auch eine Pflanzstätte für die jüdische Wissenschaft in Wien zu schaffen; der vor Jahren mit dem Beth-Hamidrasch unternommene Versuch entspricht nicht den hohen Aufgaben, welche die Wiener Cultusgeineinde im Interesse des österreichischen Judeninnis zu erfüllen hat. Ein großes Institut zur Pflege der jüdischen Wissenschaft muß in Wien erstehen, und wenn man mit Eifer und Energie an die Aufgabe schreitet, so wird es auch an den Mitteln nicht fehlen. Redner bespricht ausführlich die Aufgaben des Kultusvorstaudes nach Außen, die Vertheidigung des Judentums gegen alle feindlichen Angriffe, und schließt mit den Worten des großen deutschen Dichters: „Die Liebe ist Gott auf Erden." Solche herrliche Worte bekommt man aus dem Munde eines Gemeindepräses selten zu hören. Herr Wilhelm von Gutmann ließ den Worten auch die That folgen, indem er in Gemeinschaft mit Herrn D. von Gutmann 200,000 fl. ö. W. für Gründung eines Rabbinerserninars in Wien gespendet hat. — Die österreichische Regierung erteilte die Genehmigung der Stiftung des Hrn. Barons Hirsch zur Verbreitung des Volksschulunterrichts, des Handwerks und Ackerbaues iu der jüdischen Bevölkerung in Galizien und der Bukowina. Das Kapital der Stiftung beträgt 12 Millionen Francs. — Die Stadt-Repräsentanz von Tokay hat einstinimig beschlossen, als Zeichen des Dankes für die hochherzige Spende des Herrn Baron Moritz von Hirsch eine der Hanptstraßen „Baron Hirsch-Straße" zu nennen. — In Kolonie« erscheint ein neues jüdisches Blatt im Jargon unter dem Titel „Der Volksfreund". Es wird den Juden in Galizien empfohlen, sich als besondere

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