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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-03-01 · Heft 3 (1.3.1891) · p. Seite 70

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 daß ich auch nur eine Stunde ein Frevler vor Gott sei (Edujoth 5, 6).- Geschadet unserer Gesundheit hat der Talmud aber durch seine große Ausdehnung des Verbotes von Fleisch und Milch, denn jeinehr wir statt des Fettes uns der Milch, der Butter bedienten, desto besser würden wir für unsere Gesundheit sorgen. Die Aerzte behaupten, daß eine gewisse Species von Krankheiten viel häufiger bei Juden anzutreffen ist, die einen zu häufigen Gebrauch von andern« Fett bei der Bereitung ihrer Speisen machen.-Bezüglich des volkswirtschaftlichen Gesichtspunktes ist zu bemerken, daß keines der andern, jüdischen Speisegesetze unsere finanziellen Verhältnisse so sehr schädigt, als gerade dies durch die Vorschrift von den zweierlei, ja dreierlei Geschirren in der Küche, für Fleisch-, für Milch- und für neutrale Speisen. Die Ausgaben kommen für die Tage des Passahfestes wiederum in dreierlei Gestalt zu einer neuen Auflage- Da muß die jüdische noch so einfache Küche ein ganzes Magazin von allerlei Geschirren bewahren. — — Andere verbotene Speisen machen in der Küche wenig oder gar nichts zu schaffen, denn sie kommen nicht in dieselbe, während Fleisch und Milch jedes für sich eine erlaubte Speise, beide in der Küche vorräthig, aus Versehen bisweilen vermengt, die Geschirre mit einander verwechselt werden.- Bei dem vorliegenden Speisegesetze muß ich leider konstatiren, daß es gerade mehr noch als jedes andere auf den sozialen Verkehr zwischen Juden und Nichtjnden einen nachteiligen Einfluß ausznüben geeignet ist, weil es mehr als jedes andere den Sarkasmus, die Satire provocirt. Ein Volk wird zum Teil nach den« innern Gehalte feiner religiösen Verordnungen und Riten beurteilt und geschützt. Also in der That, dieses jüdische Speisegesetz, wie es soeben mit allen den weitaus gesponnenen Minutiositäten gezeichnet wurde, wäre nach den Worten unseres großen Gesetzgebers und Lehrers unsere Weisheit und unsere Vernunft in den Augen der Völker, daß sie, wenn sie alle diese Satzungen vernehmen, ausrufen werden: „Nur dieses große Volk Israel ist eine wei^ und vernünftige Nation (5. M. 4, 6). Nein, „nur wenn", so spricht der Meng orthodox-talmndische R. Sal. Iizchalri „ihr sie nach ihrer Wahrheit, nach ihrem Wesen und Geiste ansübt, werdet ihr als weise und vernünftig gelten : übet ihr sie hingegen in abschüssiger, verschrobener Weise, weil ihr das wesentliche Motiv, das bewegende, geistige Moment der Satzung vergesset, so lverdet ihr als Thoren betrachtet werden. In ähnlichem Sinne äußert sich Maiinonides (Commentar zu Syuhedrin 11. Mischna Chelek). Aus fünf klaren Worten der Schrift wuchsen im Talmud gegen 18 Folioseiten an, im Schnlchan Aruch sind hierüber 11 Abschnitte und 62Unterabteilungenvorhanden und dazu noch eine LegionResponsen und Bücher.— In den Keichslanden leben 37,544 Juden; die Gesamintseelenzahl beträgt 1,564,355. — Nach der Zeitschrift des Königl. Preußischen Statistischen Surenus (1890) verheiratheten sich: Evangelische Männer mit jüdischen Frauen 101; katholische Männer mit jüdischen Frauen 45; sonst christliche Männer (zu einer der verschiedenen Sekten gehörig) mit jüdischen Frauen 4; jüdische Müilner mit evangelischen Frauen 131, mit katholischen Frauen 24, mit sonst christlichen Frauen 2, mit jüdischen Frauen 2503; überhaupt: evangelische Frauen 158,009, katholische Frauen 79,895, sonst christliche 439, jüdische Frauen 2653. — In Köthen wurde am 8. Januar im Beisein der Spitzen der Behörden die Synagoge eingeweiht. Die Weihrede hielt Herr Rabbiner Dr. Glihky. — Nach dem 17. Jahresberichte des jüdischen Kurhospitals in Golderz fanden in demselben im abgelaufenen Jahre 119 Kranke Aufnahme und Verpflegung. — Eine neue Partei, eine sozialdemokratisch-antisemitische, ist im Entstehen begriffen. An der

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