Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1891)
- Date
- 1891-03-01
- Page
- Seite 72 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Nation zu betrachten und den Jargon als Nationalsprache anzunehmen. Das fehlte nur noch! — Als Seitenstück hierzu möge hier Folgendes Beachtung finden, woraus zu ersehen, daß Juden sowohl in Ländern der Unkultur, als auch iu solchen der Kultur auf geistige Irrwege geraten können: Anläßlich der in dem litterarischen Verein des jüdischen Seminars zu London stattgefundenen Vorlesung von Dr. Adlers „Anmerkungen über das heilige Land" richtete Oberstlieutenant Goldsmith eine beredte Mahnung an seine Glaubensgenossen, das Werk der jüdischen Kolonisierung in Palästina zu beschleunigen. Herr Goldsmith bemerkte, daß die Stellung der Juden in der ganzen Welt von Jahr zu Jahr sich immermehr verschlimmere. In Folge der Verfolgungen in Rußland und Rumänien würden jüdische Kolonien allenthalben gebildet, selbst in Südamerika, und es sei die Rede davon, dergleichen Kolonien in Mittelafrika zu gründen. Damit würde aber, wie Herr Goldsmith meint, der schlimme Tag nur hinausgeschoben. Die Judenfrage werde nicht eher gelöst werden, bis es einen jüdischen Staat im heiligen Lande gebe. „In einigen Ländern", fuhr er fort, „werden wir verfolgt, in andern find wir kaum geduldet. Welch' andere Rasse mit einer so glorreichen Geschichte, wie die unserige, würde so ruhig Zusehen, daß das Land ihrer Vorfahren sich im Besitze eines Ausländers befindet? Italien hat Rom wiedergewonneu; warum sollten wir nicht Palästina wiedergewinnen, statt sich damit zu begnügen, von den Völkern, unter denen wir leben, nur geduldet zu werden." —In Randnitz wurde Herr Dr. Klotz als Rabbiner gewählt. — In Saa; starb am 3. Jan. tiefbetrauert von seiner Gemeinde, der dortige Rabbiner Herr Dr. Aron Kaermald. — In Wien starb am 3. Jan. der Senior der Marienbader Badeärzte Herr Dr. S. Lurra, ein naher Verwandter der berühmten Sängerin Pauline Lucca. Er war auch dichterisch thätig. Sein Trauerspiek „Der Erbprinz" und sein Lustspiel „Der Opalschmuck" fanden bei ihrer Aufführung beifällige Aufnahme. — Am 9. Januar wurde in Wien Herr Marens Keim, ein hervorragender Publizist, Herausgeber des finanziellen Blattes „Die Woche" zil Grabe getragen. Er war auch ein tüchtiger Kenner der hebräischen Litteratur. — In Lemberg starb am 15. Januar Herr Oberrabbiner I. A. Winzer, einer berühmten Rabbiner-Familie in Galizien entstamniend. — Die jüngst verstorbene Oberin des Hndapester Klosters und der Englischen Fräulein, Johanna Schreiber, war eine Enkelin des zu Lomnitz in Mähren vorstorbenen Oberrabbiners Josef Schreiber. — Der in Dndapest erscheinende „Magyar Zsido Sjemle" ist vom 1. Januar in die Hände der Herren Dr. L. Klan und Dr. F. Me;ry als Redakteure übergegangen. Inhalt: Bild des seel. Herrn Dr. Nehemias Brüll. — Gedenkblätter zur Erinnerung an Dr. Nehemias Brüll. — Zum Tröste und zur Erinnerung. — König Saul in Sage und Dichtung. Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judentums (Afike Jeyuda) in Prag von Dr. Joel Müller in Berlin. (Forts.) — Die Säulen des israelitischen Religionsgebäudes. Vortrag von Dr. M. H. Friedländer. — Universitätslehrer über Antisemitismus. — M. v. Egidy's Ernste Gedanken. — Ursachen trauriger Verhältnisse bei den Juden Galiziens, und mögliche Mittel zur Abhilfe- Vortrag gehalten im Bürgervereine zu Tarnopol von Dr. Josef Weisstein, Advokat. — Monatsschau. — Beilage. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber I)r. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Aussarth; Druck von tz. L. Brönner's Druckerei (F. W. Brei de »stein), sämtlich in Frankfurt am Main.