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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-03-01 · Heft 3 (1.3.1891) · p. Seite 69

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 69 (sequence 21)
Language
German
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69 Sommer-Semester 1890, aus dem man ein erfreuliches Wachsen der Bestrebungen desselben mit Freude wahrnehmen kann. Es wurden in deniselben 8 Vorträge gehalten. Einen Verlust erlitt der Verein durch den Tod seines Ehrenmitgliedes Dr. I. Kitter, der großes Interesse für den Verein an den Tag legte und durch seine Vorträge bildend und anregend gewirkt hat —In der Monatsschrift für die Literatur und Wissenschaft des Judentunis von Arthur S. Weißmann (Dezember 1890) in dem Aufsatze „Bibl. rabb. Speisegesetze" sind folgende Stellen beachtenswert: Philo ruft aus: Wenn du schon durchaus zur Befriedigung deiner Eßgier Fleisch mit Milch bereitest, muß es dann noch in der Milch der eigenen Mutter geschehen? — Wir haben bereits angeführt, daß nach dem Mischnalehrer R. Jose dem Galiläer Vogelfleisch in dem fraglichen bibl. Verbot nicht mit inbegriffen ist, er behauptet sogar, daß dies nicht einmal rabbinisch verpönt sei, und er hat dieser Ansicht in seinem Wohnort praktische Folgen verschafft. Warum stehen doch die heutigen akademisch gebildeten Theologen bezüglich des Mutes einer Meinung zurück gegen einen Rabbiner des 17. Jahrhunderts, der ihnen an talmudischer Gelehrsamkeit wahrlich nicht nachstand und der laute Klage führte über die so ganz und gar ungerechtfertigte bis zur Entstellung getrübte Satzung, bis zu zweierlei Geschirr, Löffeln, Gabeln und Messern, wodurch jüdisches Vermögen unnütz vergeudet wird. Welche Verkehrtheit! fügt er noch hinzu, Milchspeisen nach Fleichgenuß sind nicht, Fleisch nach Milchspeisen ja gestattet und doch ist gerade letzteres, namentlich nach Käsegenuß gesundheitswidrig, geradezu schädlich (s. Bechinath ha Kabbala S. 57). Warum nicht an R. Jose Hagalili sich ein Beispiel nehmen und immer bei dem schwächlichen, freilich bequemen non po88ninu8 beharren? Man sage nicht Aufklärungen über das Speisegesetz, hätten allenfalls einen wissenschaftlichen, historischen, antiquarischen, aber keinen praktischen Wert. . Das Volk gehe von selbst darüber zur Tagesordnung hinweg. Aber es ist wohl zu bedenken, vielleicht der be^Weitem größere Teil, der mit dem Speisegesetz bereits gebrochen, hat dies nicht mit reiflicher Überlegung, mit Gewissenhaftigkeit und Ueberzeugung gethan, sondern aus Genußsucht, Leichtsinn, Mangel an Selbstbeherrschung. Nein, so darf es nicht fein, das erniedrigt ein Volk. Nein es ist heilige Pflicht derjenigen Volkslehrer, die sich eine wissenschaftliche Überzeugung verschafft, zu belehren, aufzuklären, wieweit eine solche Satzung ans weitere Respektirnng noch irgendwie Anspruch zu machen hat, oder zu beseitigen ist. Wie es Pflicht der Volkslehrer ist, die von der Fortdauer der Verbindlichkeit einer Satzung sich überzeugt haben, nicht sich in den Mantel der Klugheit oder des Schweigens zu hüllen, sondern das Volk bisweilen an die Beobachtung dieser ihnen noch fort und fort verbindlich erscheinenden Observanzen zu mahnen, ebenso heilige Pflicht ist es derjenigen Volkslehrer, die sich eine ehrliche entgegengesetzte Üeberzengung erworben, über diese hinfällig gewordenen Satzungen das Volk aufzuklären, damit die Zeitgenossen, das, was sie sich doch einmal erlauben, mit gutem Bewußtsein, mit Gewissenhaftigkeit und männlicher Würde sich erlauben. Mag man immerhin die Aufrichtigkeit und den sittlichen Ernst, womit diese Volkslehrer ihre Aufklärungen gebe», als unklug betrachten, mögen die Klugen unserer Zeit, „die sich selber, aber nicht ihre Heerde weiden", auf die Einfältigen, Ehrlichen, denen die Sprache und die Worte nicht dazu gegeben scheinen, um die Gedanken zu verstecken, mit vornehmer Spöttelei oder mit Bedauern herabsehen — ein ehrlicher Rabbi einer ehrlichen Zeit hat schon das Rechte für seine Nachfolger und Anhänger gesprochen: „Besser ich werde ein Thor genannt mein Leben lang, als

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